Albert Speer in der Bundesrepublik

Vom Umgang mit deutscher Vergangenheit

Die vom Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände erarbeitete Wanderausstellung lässt die Speer-Legende und damit auch den Umgang der Deutschen mit ihrer Vergangenheit sichtbar werden. Im Fokus steht die Frage, warum Speers Geschichten so lange und bei so vielen Menschen Resonanz fanden.

Laufzeit: 13. Februar bis 31. Mai 2020 | Di, Do bis So 10 – 18 Uhr, Mi 10 – 20 Uhr, Mo geschlossen
Albert Speer in der Bundesrepublik. Vom Umgang mit deutscher Vergangenheit

Als Albert Speer am 1. Oktober 1966 aus dem Kriegsverbrechergefängnis in Berlin-Spandau entlassen wurde, waren über tausend Schaulustige gekommen und dutzende Mikrophone und Kameras aus aller Welt auf ihn gerichtet. Dies war der Beginn seiner zweiten Karriere als scheinbar geläuterter Zeitzeuge des Nationalsozialismus.

Der 1905 in Mannheim als Sohn eines Architekten geborene Speer zählte zu Hitlers engsten Vertrauten. Als erster Architekt des NS-Staats war er verantwortlich für Großprojekte wie das Reichsparteitagsgelände in Nürnberg und die Umgestaltung Berlins. Ab 1942 organisierte er als Rüstungsminister die Kriegswirtschaft, für die Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge aus ganz Europa eingesetzt wurden. Die Alliierten verurteilten ihn deshalb 1946 zu zwanzig Jahren Haft. Nach seiner Entlassung verbreitete Speer durch zahlreiche Interviews und Publikationen seine bei Kriegsende entworfene Legende: Er hätte von den NS-Verbrechen nichts gewusst und sei, von der Aura Hitlers verführt, in Krieg und Judenmord unbeteiligt hineingeraten.

Die vom Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg erarbeitete Wanderausstellung lässt die Speer-Legende und damit auch den Umgang der Deutschen mit ihrer Vergangenheit sichtbar werden. Im Mittelpunkt steht die Frage, warum Speers Geschichten in der Bundesrepublik so lange und bei so vielen Menschen Resonanz fanden. Bereitwillig und unkritisch folgten Historiker, Publizisten, aber auch die deutsche Öffentlichkeit der Erinnerungsmanipulation des „guten Nazis“ – nicht zuletzt, weil er eine Entlastung für jene bot, die sich selbst im Nationalsozialismus engagiert hatten.

Katalog: Martina Christmeier und Alexander Schmidt (Hrsg.), Albert Speer in der Bundesrepbulik. Vom Umgang deutscher Vergangenheit, Nürnberg 2017, 88 Seiten mit 157 Abb., Broschur, 9,80 €

Kooperationspartner: Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände, Nürnberg, Stiftung Mercator GmbH, Essen

Ausstellungsteam

  • Kurator
    Dr. Martina Christmeier und Dr. Alexander Schmidt
  • Ausstellungsdesign
    Lendler Ausstellungsarchitektur, Berlin
  • Zugang barrierefrei

  • Eintritt: 4.00 EUR
  • ermäßigt: 2.00 EUR
  • Kombiticket mit Roden-Ausstellung: 6.00 EUR
  • Kombiticket mit Roden-Ausstellung ermäßigt: 3.00 EUR