Alltagswelten einer Industriestadt. Fotografien von Maria und Hans Roden

Vernissage am Mittwoch, 22. Januar um 18 Uhr, Friedrich-Walter-Saal

Laufzeit: 23. Januar bis 31. Mai 2020 | Di, Do bis So 10  – 18 Uhr, Mi 10  – 20 Uhr, Mo geschlossen

Eintritt: 4 €, ermäßigt 2 €, Kombiticket mit Speer-Ausstellung: 6 €, ermäßigt 3 €

Zugang barrierefrei

„Roden-Press“ hieß die Bildagentur von Maria und Hans Roden, die von Kriegsende bis in die 1970er hinein in Mannheim arbeiteten. Im Unterschied zu anderen Pressefotografen lag ihr Augenmerk weniger auf Prominenten und Ereignissen als auf Alltäglichem und Kuriosem des städtischen Lebens. Ihre sehenswerten Fotografien fangen sowohl das Stadtbild als auch das Arbeits- und Freizeitleben der Mannheimerinnen und Mannheimer in der Nachkriegszeit ein.

Biographisches zu Maria und Hans Roden:
Hans Roden (1904-1977) wurde in Krotoschin (Provinz Posen, heute Polen) geboren, Kindheit und Jugend verlebte er in Berlin, Frankfurt an der Oder und Dessau.
Nach einer kaufmännischen Lehre arbeitete er ab 1934 als Text- und Bildwerber für die Dessauer Junkers-Werke. Von dort wechselte er 1937 zur IG-Farben nach Bitterfeld, 1939 schließlich als Werbeleiter nach Ludwigshafen, womit er seinen Wohnsitz nach Mannheim verlegte.
Als Sohn eines Reichswehroffiziers sympathisierte er schon in jungen Jahren mit nationalistischem Gedankengut. In den 1930er Jahren trat er bereits unter dem Namen Hans „Roden“ als Herausgeber mehrerer antikommunistischer Propagandabücher in Erscheinung. Einem Antrag auf Namensänderung von Rosenbaum zu Roden wurde im Oktober 1936 in Dessau stattgegeben. Mitglied der NSDAP war Hans Roden nicht. Die wenigen Informationen über seinen Werdegang lassen dennoch auf gute Kontakte zu hochrangigen Vertretern der nationalsozialistischen Herrschaft schließen. Vor einer Einberufung zur Wehrmacht blieb er verschont. Ab Juni 1944 wurde er schließlich als Bildberichter des Deutschen Roten Kreuzes eingesetzt. Durch die Spruchkammer als „unbelastet“ eingestuft, konnte Roden mit seiner „Roden-Press“ eine neue Existenz als freier Journalist im Nachkriegs-Deutschland aufbauen.
1947 heiratete er die in Mannheim geborene Kaufmannstochter Maria Roden, geb. Volz, (1920-1998), die in der Agentur ihres Mannes Aufgaben übernahm und die zahlreichen Reisen des kinderlos bleibenden Paares organisierte. Das Fotografieren brachte Maria sich 1950 selbst bei, als Hans aufgrund einer schweren Erkrankung über Monate ans Bett gefesselt war. Fortan steuerte sie zahlreiche Aufnahmen bei, wobei heute nicht mehr zugeordnet werden kann, von wem der beiden die Fotos jeweils stammen. Nach dem Tod Hans Rodens arbeitete Maria alleine weiter, privat engagierte sie sich zeitlebens im Vorstand des Frauenvereins der altkatholischen Gemeinde.

Begleitprogramm zur Ausstellung:

MI 22.1. 18 Uhr, Friedrich-Walter-Saal
Vernissage mit Einführung in die Ausstellung

MI 29.1. 16.30 Uhr, Treffpunkt: Foyer im EG
Alltagswelten einer Industriestadt. Fotografien von Maria und Hans Roden
Führung | Die Führung stellt das Leben und Werk des Fotografenehepaars Roden in den Kontext der Nachkriegszeit in Mannheim. Bitte beachten Sie, dass die Teilnehmerzahl begrenzt ist. Eine Voranmeldung ist nicht möglich. Die Führung ist kostenfrei (zzgl. Eintritt in die Ausstellung).

SA 15.2. 17 Uhr, Friedrich-Walter-Saal
La dolce Kamera – Blick auf die Pressefotografie der 50er/60er
Festvortrag | Nachkriegszeit, Kalter Krieg, Flower Power, Coca Cola, Rock'n'Roll - all das prägte die 50er und 60er Jahre. Die Zeit der Massenmedien und Konsumkultur war angebrochen; Deutschland erlebte sein Wirtschaftswunder. Die Pressefotografie jener Jahre fing diese bewegte Zeit des Umbruchs ein - mal durch die Kamera des sensiblen Fotojournalisten, mal durch das Objektiv der sensationshungrigen Paparazzi. Der Festvortrag von Prof. Dr. Claude W. Sui findet im Rahmen der Verleihung des Mannheimer Pfennigs statt.

MI 4.3. 18 Uhr, Friedrich-Walter-Saal
Fotografien ohne Vergangenheit? Biografien und Nachlass von Hans und Maria Roden
Vortrag | Die Aufarbeitung des Fotobestandes Maria und Hans Roden für die Ausstellung im MARCHIVUM stellte eine besondere Herausforderung dar: Zwar sind rund 60.000 Negative und einige Manuskripte vorhanden, aber so gut wie keine schriftlichen Quellen, die Aufschluss über Lebensläufe und Arbeitsweise des Paares hätten geben können. Michael Jendrek, Leiter der Bildsammlung des MARCHIVUM, gibt Auskunft über die Erschließung des Bildmaterials und den langwierigen Rechercheprozess.

SA 7.3. 14 Uhr
Tag der Archive
Aktionstag | An diesem Tag ist der Eintritt in die Ausstellung frei. Es findet zudem um 14 Uhr eine kostenlose Führung statt.

SA 28.3. 17 Uhr
Kunsthalle City Walks: Eine Exkursion von der Kunsthalle zum MARCHIVUM
Führung
| Die Führung spannt den Bogen von den Alltagswelten des amerikanischen Fotokünstlers Walker Evans in der Kunsthalle zu den Fotografien von Maria und Hans Roden im MARCHIVUM. Den Abschluss bildet ein gemeinsamer Besuch der Mittelstraße in der Neckarstadt-West.
Treffpunkt: Kunsthalle Mannheim | Eintritt: 5 €, Tickets über die Kunsthalle Mannheim | In Kooperation mit der Kunsthalle Mannheim, der Biennale für aktuelle Fotografie und OFF // FOTO

SA 18.4. 18 Uhr
Lange Nacht der Fotografie
Führung | Die Ausstellung kann in der Langen Nacht der Fotografie bis 23 Uhr besichtigt werden. Um 18 Uhr findet eine kostenlose Kuratorenführung statt (zzgl. Eintritt in die Ausstellung).

MI 6.5. 18 Uhr
Kamera ab! Mannheim im Film
Filmabend | Das MARCHIVUM zeigt Filme, die während des Wirkens von Maria und Hans Roden in Mannheim entstanden sind. Ein kurzweiliger Filmabend ist garantiert.

SO 17.5. 16 Uhr
Internationaler Museumstag
Aktionstag
| An diesem Tag ist der Eintritt in die Ausstellung frei. Um 16 Uhr findet zudem eine kostenlose Führung durch die Ausstellung statt, die zusätzlich von einem Gebärdendolmetscher begleitet wird.

Den Ausstellungsfolder mit dem Begleitprogramm können Sie hier herunterladen.

Vermittlungsangebot zur Ausstellung:
Im Rahmen der Ausstellungen werden zusätzlich Führungen und kostenfreie Vermittlungsformate für Schulkassen angeboten. Beratung und Anmeldung bei: Elke Schneider, elke.schneider@mannheim.de, Tel. 0621 / 293-7752.

Projektleitung: Andreas Mix und Dr. Susanne Schlösser

Kurator: Michael Jendrek

Ausstellungsdesign: Regina Hauber, Mannheim