Nachlasswelten

Kunsthalle
Die erste Goldschmiedemeisterin Deutschlands: Hanna Kronberger-Frentzen

Der Nachlass der Kunsthistorikerin und Autorin Hanna Kronberger-Frentzen umfasst insgesamt sieben Normalpakete. Diese enthalten in der Hauptsache Korrespondenzen, Fotographien und wissenschaftliche Aufsätze.

Das Material ist in zwei Schüben in unseren Bestand gewandert. Zunächst wurde Material im Umfang von einem Normalpaket "etwa im Jahre 1963/64" zusammen mit Resten zweier anderer Nachlässe durch eine Privatperson an unsere Institution übergeben. Der weit größere Teil des Nachlasses, nämlich sechs Normalpakete, wurde 1969 von der Kunsthalle abgeliefert.

Relevanz im Geschehen und Treiben unserer Quadratestadt erlangt Kronberger-Frentzen in erster Linie durch ihre Tätigkeit als wissenschaftliche Assistentin an der Kunsthalle. Diese nimmt sie am 3. November 1921 auf und verrichtet sie über 30 Jahre.

Geboren wird Kronberger-Frentzen am 2. März 1887 in Köln. "Es war eine Jugend wie Tausende sie erlebten in der Geborgenheit ihres Familienkreises, im festen Gefüge einer scheinbar unerschütterlichen Ordnung und Sicherheit des Daseins", lässt sie sich aus ihrem Buch "Eine glückliche Kindheit" von 1948 zitieren.

Diese bürgerliche Herkunft beschert ihr eine entsprechende Ausbildung. Sie besucht die Landeskunstschule in Karlsruhe und setzt schließlich auf eine Ziseleur- und Goldschmiedeausbildung. Auf diesem Gebiet bringt sie es bis zum Grad der Meisterin, was sie zur ersten deutschen Goldschmiedemeisterin überhaupt macht. Ab dem Jahr 1911 betreibt sie eine eigene Werkstatt.

Ihr Liebesglück kulminiert in der Hochzeit mit dem Arzt Dr. Kronberger im Jahr 1916. Nach fünf Jahren Ehe stirbt der Ehemann jedoch. In dieser von Inflation und politischen Veränderungen geprägten Krisenzeit gibt sie ihre Werkstatt auf und findet zunächst im Landesmuseum Karlsruhe Anstellung, später an der Mannheimer Kunsthalle. Diese prägt sie drei Jahrzehnte lang mit der Organisation von Ausstellungen und Vorträgen. Ihr spezielles Interesse gilt den textilen Künsten.

Die thematische Vielfalt, mit der sie die Kunsthalle bereichert, wird in einem Artikel der Mannheimer Zeitung von 1946 wie folgt dargestellt: "ob 'Die Blume in Kunst und Natur', ob Glas und Porzellan, ob Wohnkultur und Weihnachtskrippen, ob Scherenschnitte, Zinnspielfiguren, Buchschmuck oder weibliches Nadelwerk, - es fügte sich immer zum Ganzen, das die Beschauer zu fesseln und zu belehren vermochte."

In diese ungefähr dreißig Jahre von Kronberger-Frentzens Tätigkeit an der Mannheimer Kunsthalle fallen auch 12 Jahre faschistischer Schreckensherrschaft in Deutschland. Die eben zitierte Zeitung schreibt in Bezug auf diese Thematik von "schwerwiegendster Befehdung" gegen die Kunsthistorikerin im Dritten Reich.

Es wird eine nicht näher benannte Quelle zitiert, der zufolge Hanna Kronberger-Frentzen von den Faschisten eine "politische Unzuverlässigkeit" attestiert wurde. Bei der Durchsicht von Briefwechseln fällt in der Tat auf, dass sie ihre Briefe nie mit den für die NS-Zeit üblichen Grußformeln beendet. Wirkmächtige und gefährliche Handlungen deutet der Mannheimer Morgen vom 2. März 1962 an, wenn er schreibt, dass "jüdische Freunde und italienische Gefangene ihr unendlich viel zu verdanken" gehabt haben.

Ihre Haltung gegenüber dem Regime war allerdings noch nicht so antagonistisch, dass sie nicht hätte arbeiten oder publizieren dürfen. In der ersten Hälfte des Krieges erscheinen drei unverfängliche Bücher von Hanna Kronberger-Frentzen. Im ersten Kriegsjahr 1939 erschien das Werk "Deutsche Stickmuster", 1940 "Das deutsche Familienbildnis" und 1941 "Glück mit Blumen". Später tritt sie als Autorin unter anderem mit Reiseberichten über ihr Lieblingsland Italien in Erscheinung. Unter dem Pseudonym "Corona Berg" schreibt sie "Italienische Miniaturen" (1952) und "Unter der Sonne Italiens" (1956).

Auszug aus einem Manuskript von Kronberger-Frentzen

Dass sie Anfang März 1962 noch einmal einigen Raum in den Mannheimer Zeitungen bekommt, ist vor allem auch darauf zurückzuführen, dass ihr am 3. März 1962 von Oberbürgermeister Dr. Hans Reschke die Schiller-Plakette für kulturelle Verdienste überreicht wird. Am 30. Oktober des Folgejahres verstirbt Hanna Kronberger-Frentzen schließlich im Alter von 76 Jahren.

Verleihung der Schiller-Plakette, 1962

 

 

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