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Nachlasswelten

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Richard Perrey

Als Architekt und Leiter des städtischen Hochbauamts prägt Richard Perrey Anfang des 20. Jahrhunderts das Mannheimer Stadtbild. Etwa 122 Bauprojekte werden in Mannheim unter seiner Leitung geplant.

Perrey wird am 6. Juni 1866 in Stettin geboren. Er ist verheiratet mit Hildegard geb. Müller, mit der er fünf Kinder hat. Perrey studiert in München und Berlin und legt 1893 die Erste Staatsprüfung für Hochbau mit Auszeichnung ab.

Neujahrsgruß der Kinder der Familie Perrrey, 1914

Die praktische Ausbildung absolviert er als Regierungsbauführer (Referendar) bei der preußischen Kreisbauinspektion Stettin. Nach bestandenem Zweiten Staatsexamen sammelt er erste berufliche Erfahrungen in Stettin und Breslau.

Im Jahr 1902 kommt er nach Mannheim und wird Leiter des städtischen Hochbauamts. Perrey, von dem eine grundlegende Reform des Hochbauamts erwartet wird, übernimmt die Leitung aller wichtigen Bauvorhaben der Stadt. Mannheim befindet sich zu dieser Zeit in einer Periode größter baulicher Entwicklung. Die Industrialisierung führt zu einem rasanten Bevölkerungsanstieg und durch die Eingemeindungen vervielfacht sich das Mannheimer Stadtgebiet. Zahlreiche Neubauten müssen in Angriff genommen werden.

Richard Perrey, ca. 1915

Perreys norddeutsche Herkunft zeigt sich an seinem Baustil. Wie in Norddeutschland üblich, erbaut er bevorzugt Gebäude mit Backsteinfassade, wobei er geschickt die verschiedenartigsten Werksteine kombiniert. Seine späthistorisch und neogotisch geprägten Gebäude sind monumental und besitzen Giebel- oder Walmdächer. Aber immer legt er Wert darauf, dass sich seine Gebäude in den barocken Charakter Mannheims einpassen. Den Baustil der Neuen Sachlichkeit, mit seinen Flachdächern, kritisiert er dagegen scharf.

Richard Perrey und Familie, ca. 1910

Bis zum Ende seiner Amtszeit verwirklicht er eine Vielzahl an Projekten. Von besonderer Bedeutung für das Stadtbild sind: die Alte Feuerwache (1911/12), das Herschelbad (1912-16) und die Schulgebäude um den Wasserturm Luzenberg (1913-15). Überhaupt prägt er in seiner Amtszeit zahlreiche Schulbauten.

Das Stadtgeschichtliche Museum, die Kunsthalle, das Nationaltheater und der Rosengarten werden um- und ausgebaut. Errichtet werden die Leichenhalle auf dem Hauptfriedhof, die Kanalpumpwerke Ochsenpferch und Neckarau, der Erweiterungsbau des Straßenbahndepots, die Straßenbahnwagenhalle sowie zahlreiche weitere Bauten.

Nach seinem Ausscheiden als Leiter des Hochbauamts im Jahr 1918 ist er noch bis zu seiner Pensionierung 1923 weiter bei der Stadt Mannheim angestellt und vollendete in dieser Zeit bereits begonnene Neubauten, darunter auch die Städtischen Krankenanstalten (1913-22).

Sein Führungsstil wird als autoritär beschrieben und in Baufragen gilt er oft als kompromisslos. Beides führt dazu, dass er nicht überall beliebt ist und aufgrund seiner monumentalen Gebäude auch als "Festungsbaumeister" bezeichnet wird. Doch seine Gebäude, von denen viele heute unter Denkmalschutz stehen, prägen das Gesicht Mannheims nachhaltig.

Perrey ist Vorsitzender der Ortsgruppe des Berufsvereins der höheren Kommunalbeamten und Mitglied des Hauptvorstands in Berlin sowie Vorsitzender der Vereinigung der akademischen Beamten der Stadt Mannheim. Außerdem ist er Vorsitzender der Mannheimer Rudergesellschaft, in deren Vorstand er 26 Jahre lang aktiv ist.

Von 1919-1926 ist er Stadtverordneter im Bürgerausschuss der Deutschnationalen Partei, von 1926-1930 Stadtrat der Deutschnationalen Partei und ab 1930 wieder im Bürgerausschuss. Wie bei vielen anderen auch endet 1933 seine politische Betätigung. Am 27. November 1937 stirbt er im Alter von 72 Jahren in Mannheim.

Der Nachlass enthält überwiegend Veröffentlichungen zur Bautätigkeit Perreys, die insbesondere in Baujournalen erschienen sind. Er enthält auch Informationen über die Beteiligung Perreys am Stadtjubiläum 1907 und dokumentiert seine einzelnen dienstlichen Bauprojekte.

 

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