Nachlasswelten

Portrait von Edgar Schmandt
Der schriftliche Nachlass von Edgar Schmandt

Werbeprospekte, Plakate, Kunst am Bau - Mannheim Künstler und Künstlerinnen haben in den Nachkriegsjahren am Image der Stadt nach Außen mitgewirkt: Das zeigt unter anderem der schriftliche Nachlass von Edgar Schmandt im MARCHIVUM.

Edgar Schmandt (1929–2019) kommt 1956 aus Berlin nach Mannheim und beginnt ein Studium an der Freien Akademie. In Berlin hat er bereits eine Ausbildung als Retuscheur und vor seinem dortigen Kunststudium zudem eine Ausbildung als Gebrauchs- und Werbegrafiker gemacht.

Dr. Erich Schlenker, damals für den Fremdenverkehr in Heidelberg zuständig und auch Geschäftsführer des Künstlerbunds Baden-Württemberg, vermittelt ihm die ersten Aufträge in der Region: ein Prospekt für Hemsbach, ein Reiseführer für Nordbaden. Heute unvorstellbar, wird Schmandt ein Auto mit Chauffeur zur Verfügung gestellt, und er fährt so durch das untere Neckartal. In vielen kleinen Zeichnungen hält er die Landschaft und die kleinen Städte am Fluss fest.

Auch in Mannheim bemüht man sich, in den 1960er Jahren die Stadt wieder als Kultur- und Einkaufszentrum zu etablieren, und organisiert entsprechende Veranstaltungen: "Venezianische Tage", ein Blumenquiz in den Schaufenstern der Geschäfte, den Blumen-Corso und – schon bald eine Institution – den "blühenden Herbst" im Pflanzenschauhaus im Luisenpark. Für alle diese Veranstaltungen finden sich viele Entwürfe von Plakaten in dem schriftlichen Nachlass.

Auch für private Geschäfte gestaltete Schmandt Plakate, z.B. für das Mannequin-Studio Christina in R 7 und das Pelzgeschäft Richard Kunze in der Nähe vom Paradeplatz.

Eines der schönsten Plakate ist sicher der Entwurf für die Gesellschaft für Neue Musik in Mannheim, der auch heute noch genutzt wird. Man muss wissen, dass Edgar Schmandt auch Geige gespielt hat und lange mit sich rang, ob er nicht Profi-Musiker werden soll.

Eine andere Verdienstmöglichkeit für Künstler im Wiederaufbau, war das sogenannte "Kunst-am-Bau-Gesetz", bei der 1% der Bauauftragssumme für öffentliche Gebäude für Werke bildender Künstler vorgesehen war. Bei dem Wiederaufbau der zerstörten Stadt und den vielen Verwaltungen, bot dies vielen Künstlern bis weit in die 1980er Jahre in Mannheim einen guten Nebenverdienst, auch für Edgar Schmandt.

Beim Neubau der Friedrich-Ebert-Schule 1964 auf dem Waldhof, ein Entwurf des Architekten Carl Mutschler, gestaltete er die Betonwände.

Beim Amt für Vermögen und Bau entwarf Schmandt 1963 eine ganz ungewöhnliche Gestaltung für die Glasfront des Treppenhauses. Die Glasfront wird zurzeit renoviert – vor seinem Tod hat Edgar Schmandt noch Vorschläge für die neue Gestaltung gemacht.

Für die Schillerschule (Architekt Helmut Striffler) an der Ecke Luisen- /Germaniastraße gestaltet Schmandt 1962 die Wände und Flure mit Holzreliefs, die sich mit dem Thema "Märchenwald" beschäftigen. Auch diese Wand wird bei der Renovierung 2018/2019 erhalten.

Fotos: MARCHIVUM und H.-J. Schröder / Künstlernachlässe Mannheim

Mehr Informationen zur Arbeit der Künstlernachlässe Mannheim finden Sie hier.

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