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Stadtgeschichte

Marktplatz
Hochkonjunktur der Symmetrie

Bereits im September des Jahres 1700 wird der Grundstein zum Neubau des Rathauses am Mannheimer Markplatz gelegt und damit der Wille zum Wiederaufbau der Stadt nach dem Pfälzischen Erbfolgekrieg deutlich bekundet. Bis heute ist das Rathaus mit der Katholischen Kirche das älteste erhaltene Gebäude in den Mannheimer Quadraten.

Damals entscheidet man sich für eine zweiflügelige Anlage mit Mittelturm und nimmt damit die reformierte Doppelkirche zum Vorbild, die als erstes Mannheimer Gebäude mit einer Mittelturmfassade im heutigen Quadrat R 2 errichtet wird. Der Grundstein für diese "Nationalkirche für die Teutsch- und Französisch Reformierten Gemeinden" wird 1685 gelegt. Ebenso wie der Vorgängerbau des Rathauses wird sie zusammen mit Stadt und Festung 1689 zerstört. Die sogenannte Mittelturmfassade ist hier Ausdruck der beiden getrennten und doch zusammengehörigen Kirchengemeinden. Als ältester ausgeführter Bau dieses Typs begründet er die Tradition der sogenannten Mannheimer Symmetrie.

Reformierte Doppelkirche, Aufriss mit den Lateinischen Inschriften vom Grundstein, für den Bau vor der Zerstörung im Pfälzischen Erbfolgekrieg. Kupferstich von P. Cloeter nach den Entwürfen von J.P. Wächter, 1694 © rem

Ein Entwurf von 1701 zeigt, dass auch das Rathaus von Anfang an als ein symmetrischer Bau mit hervorgehobenem Mittelturm geplant wird. Nach den Vorstellungen des Stadtrats sollen im Westflügel ein Waaghaus sowie Repräsentations- und Festräume ihren Platz finden.

Errichtet wird dagegen der ebenfalls symmetrische Entwurf von Johann Georg Haggenmiller mit einem höheren Turm und Rundbogenfenstern. Jetzt sehen die Pläne allerdings im westlichen Teil des Neubaus gemäß den Vorstellungen des Kurfürsten eine katholische Kirche vor. Finden im östlichen Teil des Neubaus bereits 1705 die ersten Ratssitzungen statt, so wird aufgrund längerer Streitigkeiten zwischen Landesherrn und Stadtrat der Grundstein für die katholische Kirche im Westflügel erst 1706 gelegt.

Der neue katholische Herrscher Philipp Wilhelm verhilft mit dem Bau am Marktplatz – entgegen den Wünschen der Stadt - den Anhängern seiner Glaubensrichtung zu einem prominenten Platz im Stadtbild. Erst 1701 erhalten die Mannheimer Katholiken das Recht auf freie Religionsausübung, zuvor müssen sie im reformierten Mannheim ihre Gottesdienste in Privathäusern abhalten. Nun können sie sich über ihr eigenes Gotteshaus freuen. Die Bauarbeiten an der katholischen Kirche ziehen sich bis 1726 hin, als schließlich die Weihe des Hochaltars an Christus und den Heiligen Sebastian erfolgt.

Die Hauptfassade des gesamten Gebäudes ist zum Marktplatz hin durch dorische Pilaster vertikal gegliedert und wird durch drei Portalrisalite unterbrochen. Der Mittelturm, für den bereits 1701 der Grundstein gelegt wird, bildet eine einheitliche Flucht mit den Flügelbauten. Dorische Frieszonen tragen die hohen steilen Walmdächer der Flügelbauten. Im Gegensatz zu den älteren Entwürfen erfolgt die gebaute Ausführung mit Rechteckfenstern im zweigeschossigen Rathaus und hohen Rundbogenfenstern in der Sebastiankirche. Rathaus und Turm werden 1711 vollendet, wie im Chronogramm in der Inschrift über dem Rathausportal zu lesen ist.

Rathaus und Sebastiankirche, um 1892

Auch wenn die Stärkung der katholischen Religion in der zuvor reformierten Pfalz ganz im Sinne des katholischen Herrscherhauses ist, muss der Kurfürst doch allen christlichen Religionen in der Stadt zumindest formal die gleichen Rechte zugestehen. Die kurpfälzische Religionsdeklaration von 1705 gestattet allen drei christlichen Konfessionen Gewissens- und Kultfreiheit. Schon bald spiegelt sich die neue Politik auch im Stadtbild wider. Zeitgleich mit dem Rathaus entstehen einige der bis heute noch genutzten Gotteshäuser.

Die Kirche der Reformierten, die heutige Konkordienkirche, wird in Anlehnung an den Vorgängerbau gleichfalls wieder als Doppelanlage mit Turm konzipiert, nachdem von der kurfürstlichen Regierung vergeblich versucht wird, die beiden Gemeinden zu vereinen. 1706 wird der Grundstein auf dem heutigen Quadrat R 2 gelegt. Kann der größere deutsche Teil 1717 eingeweiht werden, so wird der wallonische kleinere Teil erst 1737-1739 errichtet. Im 19. Jahrhundert wird anstelle der Ruine des wallonischen Teils eine Schule errichtet, eine Doppelkirche ist nach der Kirchenunion nicht mehr notwendig.

Später greift Kurfürst Karl Philipp beim Bau des Kaufhauses am heutigen Paradeplatz die Mannheimer Symmetrie in Anlehnung an diese bürgerliche Bauform wieder auf.

 

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