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Stadtgeschichte

Foto schwarz-weiß Altbau der Kunsthalle
Zwei Jahrzehnte im Dienste der Kunsthalle

Wir hatten das Vergnügen, ein Gespräch mit Professor Manfred Fath zu führen, der über zwei Jahrzehnte hinweg als Direktor die Kunsthalle leitete. Es war ungemein interessant, Dinge aus seiner Sicht zu erfahren, und darüber hinaus ein sehr amüsantes Gespräch, da Herr Fath über eine gehörige Portion Selbstironie verfügt.

Herr Professor Fath, Sie wurden 1938 in Ludwigshafen geboren. Welche Erinnerungen haben Sie noch an den Krieg bzw. die Nachkriegszeit?

Ich komme aus einer ganz linken, kommunistisch geprägten Familie. Zwei Brüder meines Vaters wurden aufgrund ihrer politischen Haltung in Dachau interniert und kamen dort um. Mein Vater selbst tauchte zunächst in Frankreich, dann in Heidelberg unter. Meine Mutter und ich wurden nach Dirmstein evakuiert. Wenn wir meinen Vater in Heidelberg besuchten, legten wir die Strecke zu Fuß zurück. Ich erinnere mich gut, dass wir eines Abends im Bunker unter der Kunsthalle übernachteten. Wenn Sie so wollen, war dies mein erster Berührungspunkt mit der Kunsthalle.

Wie kam es zum Kunststudium? Hatten Ihre eher bodenständigen Eltern dafür Verständnis?

Kunstgeschichte galt damals genau wie heute eher als brotlose Kunst und als Studienfach für junge Frauen, die eigentlich auf der Suche nach einem Ehemann waren, vorzugsweise Medizinstudenten. So waren die Partys der Mediziner stets gut besucht! Meine Eltern haben mich bei der Studienwahl gewähren lassen. Um ehrlich zu sein, glaube ich, dass sie gar nicht so genau wussten, um was es sich dabei handelt.

Ich hatte bereits auf dem Gymnasium einen sehr charismatischen Kunstlehrer, der mir das Fach sehr nahegebracht hat und uns auch häufig in die Kunsthalle führte. Außerdem lernte ich damals gerade eine junge Dame kennen, die das KFG besuchte. Dies war natürlich ein weiterer guter Grund, häufig nach Mannheim zu kommen. Und da die Kunsthalle damals meistens sehr leer war, konnte dort als Treffpunkt das amouröse Abenteuer bestens gedeihen. Aber höchstwahrscheinlich habe ich nebenher dann doch noch etwas von den Kunstwerken aufgesogen, was mich dann in meiner Berufswahl bestärkte.

Sie sind 1968 zum Kunstrat der Stadt Ludwigshafen berufen worden. Was überhaupt ist ein Kunstrat?

Für meinen damaligen Vorgänger – auch ein Kunsthistoriker – war eigens eine Stelle in der Stadtverwaltung geschaffen worden. Und da man die Bezahlung eines Akademikers ja rechtfertigen musste, wurde eben der Titel „Rat“ verliehen.

Ich war nach meiner Dissertation bis 1968 als Volontär bei Gerhard Bott in Darmstadt tätig. Das Landesmuseum galt bundesweit als innovativ und offen für zeitgenössische Kunst. Beseelt vom dortigen Geist der Moderne kehrte ich mit hochfliegenden Plänen nach Ludwigshafen zurück und wurde schnell eines Besseren belehrt. Zwar hatten die Ludwigshafener in den 1950er Jahren bei Auktionen expressionistische Werke erworben – was damals als modern galt – diese lagerten aber in einem Raum im Stadtarchiv. Jedes Mal, wenn ich den Lagerraum betreten wollte, musste ich mich bei der Sekretärin des Archivleiters anmelden. Über seinem Büro hingen eine rote und eine grüne Lampe. Wenn die grüne leuchtete, durfte ich das Büro betreten und seine Erlaubnis einholen.

Sie waren maßgeblich an der Entstehung des Wilhelm-Hack-Museums beteiligt. Wie kam der Kontakt zu Hack zustande?

Es muss 1969 oder 1970 gewesen sein. Ich traf Hack auf einer Ausstellungseröffnung der Galerie Lauter – eine weit über Mannheim hinaus renommierte Galerie. Unbedarft wie ich war, habe ich ihn einfach angesprochen. Wir sind einen Tag später sogar zusammen zu einer weiteren Ausstellungseröffnung nach Kaiserslautern gefahren. Er erzählte mir, dass er seine Sammlung einem Museum zur Verfügung stellen wolle. Ohne jegliche Rückendeckung der Stadtspitze versprach ich, ihm ein eigenes Museum in Ludwigshafen zur Verfügung zu stellen. Ihm gefiel der Gedanke durchaus, einem in künstlerischer Hinsicht unterversorgten Landstrich mit seiner Sammlung unter die Arme zu greifen. Natürlich wollte er sich aber auch nicht ein eigenes Museum entgehen lassen.

Die Ludwigshafener waren zunächst nicht begeistert, war doch an dem jetzigen Standort ein schöner großer Parkplatz, auf den sie nicht verzichten wollten. Da wurde in Interviews auch schon einmal kräftig geflucht. Aber letztlich war dann die Überzeugung durch die Presse stärker und wir konnten das Haus eröffnen. Rückschläge gab es trotzdem immer: Auch die Fassadengestaltung von Miró wurde sehr kritisch beurteilt. Man hätte doch auch einen heimischen Künstler damit beauftragen können.

Allerdings war Hack eine schwierige Person, der sich häufig – genau wie ich auch – an den Vorgaben der Verwaltung rieb. Nach zwei Jahren hatte ich ziemlich die Nase voll vom ständigen Hickhack. Mir waren bei Ankäufen  und Ausstellungsvorhaben die Hände gebunden, alles musste mit der Verwaltungsspitze abgesprochen werden. Zunächst wollte ich einem Ruf an das Haus der Kunst in München folgen, wurde dann aber persönlich von Oberbürgermeister Wilhelm Varnholt gebeten, nach Mannheim zu wechseln. Als Lokalpatriot habe ich 1972 natürlich zugegriffen und war noch während eines Jahres gleichberechtigter Direktor neben meinem Vorgänger Herrn Fuchs, von dem ich unglaublich viel gelernt habe. Allerdings muss man sagen, dass Herr Fuchs eher Wissenschaftler als Manager war. Daher war die Kunsthalle wissenschaftlich auf dem höchsten Stand, dümpelte aber besuchermäßig etwas vor sich hin.

Professor Fath, 1983

Wie sahen Ihre Anfänge dann in Mannheim konkret aus?

Wie in Ludwigshafen musste ich auch in Mannheim um Gelder kämpfen. Wir hatten damals lediglich einen Etat von 100.000 DM, der auch zunächst nicht aufgestockt wurde. Ich habe dann als Direktor erst einmal angefangen, zu – neuhochdeutsch – networken. Über meine Zeit in Ludwigshafen hatte ich bereits Kontakt zu Niki St. Phalle, es folgte der Kontakt zum Museum in São Paulo, das damals seine Sammlung in Europa zeigte. Mir gelang es, die Ausstellung „Von Manet bis Picasso“ nach Mannheim zu holen. Mit 160.000 Besuchern war diese ein durchschlagender Erfolg.

Der damalige Oberbürgermeister Gerhard Widder war so begeistert, dass unsere Lage – nicht zuletzt durch Gründung der Ausstellungs-GmbH, die finanzielle Risiken bei Sonderausstellungen abfederte – besser wurde. Weitere Unterstützung erhielten wir von diversen Stiftungen und dem Förderkreis der Kunsthalle unter dem verdienstvollen Vorsitz von Hans Bichelmeier, deren Mitglieder zu dieser Zeit auch noch jung und begeisterungsfähig waren.

Welchen künstlerischen Fokus haben Sie gesetzt? Hatten Sie auch Kontakte zu Mannheimer Künstlern und haben diese ausgestellt?

Die Kunsthalle war traditionellerweise schon immer ein Haus für zeitgenössische Kunst. So fand z.B. Max Beckmanns erste Ausstellung hier statt. Daher habe ich den Fokus auch stets auf zeitgenössische Kunst gelegt. Nach wie vor verfolgt das Haus die Linie Fritz Wicherts, "Kunst für alle" zu präsentieren. Erfreulicherweise konnte ich z.B. auch eine Stelle für Museumspädagogik einrichten.

Mit Mannheimer Künstlern bestand ein reger Austausch. Ich denke da z.B. an Schmand oder Nüssle. Wir haben auch einmal jährlich eine Ausstellung mit Werken Mannheimer Künstler gezeigt.

Wie stehen Sie zum Neubau der Kunsthalle? Dieser wird ja recht kontrovers diskutiert.

Erst einmal ist es großartig, dass ein Neubau realisiert werden konnte. Weder der Billing- noch der Mitzlaff-Bau waren für Ausstellungen optimal ausgelegt. Ich persönlich hätte mir für den Neubau mehr Ausstellungsfläche – sprich Wände – gewünscht.

Haben Sie noch Kontakte zur Kunsthalle?

Als ehemaliger Chef will man sich seinen Nachfolger*innen natürlich nicht aufdrängen oder sich noch einmischen. Auf persönlicher Ebene aber treffe ich mich noch regelmäßig mit alten Kolleg*innen. Ehrenamtlich im Kunstbereich, z.B. bei Vorlesungen an der Uni bin ich aber nicht mehr tätig. Ich lese mittlerweile all die Bücher, die ich noch nie verstanden habe und auch nicht mehr verstehen werde. (lacht)

Herr Professor Fath, wir bedanken uns für das anregende und interessante Gespräch!

 

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