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Stadtgeschichte

Foto schwarz-weiß Stadt-Brief-Verkehr-Mannheim
Reichsadler und Brieftaube - von Visionären und Hasadeuren

Wir schreiben das Jahr 1886: Das ganze deutsche Postwesen ist von der staatlichen Post besetzt… Das ganze? Nein! Einige private Postdienstleister hören nicht auf, Widerstand zu leisten.

Dieses Nebeneinander von staatlichem Reichsadler und privater Brieftaube war Folge einer erst am 31. März 1900 geschlossenen "Lücke im Postgesetz", die für mehr als ein Jahrzehnt zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen den Protagonisten Reichspost und private Postdienstleister führte. Auch wenn sich die Geschäftsmodelle der privaten Unternehmer in der Regel auf den Ortsbriefverkehr beschränkten, zeichneten sie sich doch durch ihre Kundennähe, Innovationsfähigkeit und Flexibilität aus und waren so eine erstzunehmende Konkurrenz für die staatliche Post.

In Mannheim war es August Kirchhoffer, der hier seinen ersten Schritt machte, um 1886 die Vision von einem Verbund von Privatpostunternehmen in mehreren Städten zu verwirklichen. Auch wenn seine Mannheimer Niederlassung nur kurze Zeit existierte, so war er doch ein erfolgreicher Unternehmer, der sich nach dem Ende der Privatpostzeit als Privatier zur Ruhe setzen konnte.

August Kirchhoffer, 28. Februar 1858  – 11. März 1924

Das Ende dieser ersten Mannheimer Privatpost  war dem "Mannheimer Generalanzeiger" 1887 einen ironischen Nachruf wert, der mit dem Reim schloss: "Sie ist gestorben so, wie sie gelebt,  / Ein dunkles Fatum hat sie stets umschwebt. / Auf ihrem Schild stand die Devise: Eile … / Doch auch der Nachsatz fehlte nicht … mit Weile." – ein dezenter Hinweis auf die fehlende Zuverlässigkeit  des Unternehmens.

Georg Arnold, der Gründer der zweiten Mannheimer Privatpost, war dagegen das genaue Gegenteil von August Kirchhoffer: Er gehörte zur Gruppe der Glücksritter. In Heidelberg wohnend eröffnete er zu Silvester 1886 eine Firma, die bereits elf Tage später wieder von der Bühne verschwand. Danach lebte er als Briefmarkenhändler, der vor allem die von ihm hergestellten Briefmarken an unbedarfte Sammler verkaufte.

Erst Mitte der 1890er Jahre geriet Mannheim wieder in den Fokus von Privatpostgründern. Zaghafte Versuche, einen ortsübergreifenden Briefverkehr zwischen Mannheim und Ludwigshafen einzurichten kamen dabei nicht über eine Planungsphase hinaus. 1894 aber war es dann aber soweit: Eine neue Privatpost entstand. Doch obwohl dieses Unternehmen sich sehr gut entwickelte, existierte es nur ein Jahr. Grund hierfür war interner Streit. Die "Leistungsträger" verabschiedeten sich aus dem Unternehmen und gründeten eine eigene Firma, wobei sie Kunden und Geschäftsbeziehungen mitnahmen. Dem Eigentümer der bisherigen Firma verblieb nur noch die Unterschlagung der Briefträgerkautionen und eine Verurteilung zu vier Monaten Gefängnis.

Und damit betraten die "glorreichen Vier" die Bühne, die als Team den "Stadt-Brief-Verkehr Mannheim Häußler, Ochs & Comp" bis zum 31. März 1900 erfolgreich betrieben. Selbst die Stadtverwaltung Mannheim bediente sich der Privatpost zwecks Kostenersparnis. Zu den innovativen Ideen dieser Privatpost gehörte auch die Ausgabe einer Sonderbriefmarke zum hundertsten Geburtstag des „Heldenkaisers“ Wilhelm I im Jahre 1897.

Sonderbriefmarke zum 100. Geburtstag von Kaiser Wilhelm I

Doch dann hieß es Abschied nehmen. Zum 31. März 1900 versammelte sich die gesamte Belegschaft zu einem Abschiedsfoto. Die vier Eigentümer erhielten eine Entschädigung von insgesamt 95.000 Reichsmark, die Angestellten wurden zur Hälfte in den Dienst der Reichspost übernommen, der Rest wurde abgefunden.

Abschiedsfoto der Mitarbeiter des Stadt-Brief-Verkehr Mannheim

Nach vielen Jahren ohne private Postdienstleister haben sich mit der vollständigen Aufhebung des Postmonopols zum 1. Januar 2008 die Rahmenbedingungen wieder einmal geändert: In gewissem Grad ist die Uhr auf das Jahr 1872 Jahre zurückgedreht worden. Und was Mannheim angeht,  gibt es mit der "Morgenpost" wieder einen erfolgreichen privaten Postdienstleister.

Der Text ist die gekürzte Fassung eines Vortrages, der vom Verfasser 2020 im MARCHIVUM gehalten wurde.

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