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Benno Furchheimer

geboren am
Verfolgung

Jüdischer Kaufmann

1941 im KZ Dachau gestorben

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Der jüdische Kaufmann Benno Furchheimer (geboren am 14.08.1885 in Hohebach) kam 1905 im Alter von 20 Jahren nach Mannheim, wo ein Vetter ein Textilgeschäft am Neckarauer Marktplatz (Rheingoldstraße 8) besaß. Zwei Jahre später übernahm er das Haus und eröffnete das Kaufhaus B. Furchheimer, das bald über einen großen Kundenstamm verfügte.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten war die Familie und das Unternehmen zunehmenden Repressionen ausgesetzt. Während des Novemberpogroms 1938 wurde Benno Furchheimer am frühen Morgen des 10. November verhaftet und in das KZ Dachau verschleppt. SA-Männer demolierten die Wohnung sowie die Geschäftsräume und plünderten, was sie ergattern konnten. So erinnert sich die Witwe Karoline Furchheimer 1960 in einem Brief an den Mannheimer Oberbürgermeister Hans Reschke:

„Der 10. Nov. hat dann alles ruiniert. Nachdem im Geschäft alles zerhauen war, Ware sinnlos zerhackt usw., drangen sie auch in die Wohnung ein, zerwühlten alles, nahmen mit was ihnen einigermaßen wertvoll erschien bis zu den 10 Pfg-Sparbüchsen der Kinder. Der Inhalt unseres Bücherschranks und Schreibtisches wurde auf der Straße verbrannt und dabei war es egal, ob Werke von Schiller und Goethe oder jüdische Gebetbücher. Sämtliche Familienphotos waren dabei verbrannt, darunter unersetzliche Andenken. Von Donnerstag, dem 10. November bis Samstag wurde das ganze noch große Warenlager weggebracht (sichergestellt). Den Kassenschrank, den sie in den Hof befördert hatten, ließen sie von einem Schlosser sprengen […]. Mehr als auf Geld hatten sie es auf die Geschäftsbücher abgesehen, um die Kunden festzustellen, die noch beim Juden kaufen. Zehn Tage wurden wir Tag und Nacht bewacht, niemand durfte zu uns kommen.“

Auf ein Gesuch von Karoline Furchheimer bei der Gestapo-Leitstelle Karlsruhe wurde ihr Mann am 8. Dezember aus dem KZ Dachau entlassen. Da das Ehepaar neben der deutschen auch die schweizerische Staatsangehörigkeit besaß, entging es den Deportationen nach Gurs am 22. Oktober 1940. Als eine Flucht ins Ausland unmittelbar bevorstand, wurde Benno Furchheimer jedoch am 5. März 1941 von der Gestapo verhaftet und neun Wochen im Mannheimer Schlossgefängnis festgehalten. Am 12. Mai wurde er erneut in das Konzentrationslager Dachau deportiert, wo er drei Wochen später, am 3. Juni 1941, unter ungeklärten Umständen starb. Christiane Fritsche vermutet, dass Benno Furchheimer von den KZ-Wachen zu Tode geprügelt wurde.

 

Der Stolperstein für Bruno Furchheimer wurde 2014 verlegt.

 

Text: Marco Brenneisen (MARCHIVUM), Oktober 2020

 

Literatur:

Christiane Fritsche: Ausgeplündert, zurückerstattet und entschädigt. Arisierung und Wiedergutmachung in Mannheim (Sonderveröffentlichungen des Stadtarchivs Mannheim 39) Heidelberg u.a. 2013, S. 322-327.

Adresse

Rheingoldstr. 8 (Neckarau)
68199 Mannheim
Deutschland

Geolocation
49.453360418563, 8.491577