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Daniel Seizinger

geboren am
Verfolgung

Kommunistischer Widerstandskämpfer
(Lechleiter-Gruppe)

1942 hingerichtet

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Johann Daniel Seizinger wurde 1887 als viertes von sechs Kindern des Heizers Wilhelm Seizinger und dessen Ehefrau Katharina geb. Werle auf dem Waldhof geboren und wuchs in der Neckarstadt-West auf. Nach dem Abschluss der Volksschule absolvierte er eine Ausbildung zum Glaser und begab sich auf Wanderschaft. 1911 kehrte er nach Mannheim zurück, wo er zunächst im Elternhaus in der Elfenstraße, ab 1913 in der Alphornstraße lebte. Im gleichen Jahr heiratete er die 13 Jahre ältere Emilie Luise geb. Hofer gesch. Steigmann, die eine 17-jährige Tochter – Martha Friederike – mit in die Ehe brachte. Das Paar ließ sich 1922 scheiden. 1941 heiratete Daniel Seizinger seine nur wenige Jahre jüngere Stieftochter Martha, die wiederum zwei Töchter hatte. Nach diversen Umzügen innerhalb Mannheims lebte Seizinger ab den 1930er Jahren auf dem Waldhof.

Bereits vor dem Ersten Weltkrieg trat Seizinger der SPD bei, aus der er 1917 wieder austrat, um sich der linken Parteiabspaltung USPD anzuschließen. Ab 1920 war er Mitglied der KPD, in deren Ortsgruppe Mannheim-Waldhof/Gartenstadt er sich betätigte – u.a. zusammen mit Georg Lechleiter, Jakob Faulhaber und Max Winterhalter.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde Daniel Seizinger als politischer Gegner des NS-Regimes bereits im April 1933 verhaftet und bis März 1934 in „Schutzhaft“ genommen. Nach der Haftentlassung versuchte er zusammen mit Richard Jatzek und anderen Genossen, die zerschlagene KPD-Ortsgruppe Sandhofen in der Illegalität wiederaufzubauen. Schon nach kurzer Zeit, im Juni 1934, wurde er jedoch erneut verhaftet, da die Gestapo bei ihm Flugblätter der verbotenen KPD gefunden hatte. Das Oberlandesgericht Karlsruhe verurteilte Seizinger wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu 1 Jahr 6 Monaten Gefängnis, die er bis Januar 1936 verbüßte.

1941/42 gehörte Seizinger zur Widerstandsgruppe um Georg Lechleiter, die eine antifaschistische Zeitung mit dem Titel „Der Vorbote“ produzierte und in Mannheimer Industriebetrieben in Umlauf brachte. Seizinger versteckte den für den Druck der Zeitung benötigten Abziehapparat im Luftschutzkeller seines Hauses in der Gartenstadt und übergab ihn für die Herstellung der einzelnen Ausgaben an seine Genoss*innen.

Seizinger arbeitete zu dieser Zeit als Rundfunkmonteur im Radiogeschäft Burchardt auf dem Luzenberg. Anfang 1942, als gerade die fünfte Ausgabe des „Vorboten“ in Vorbereitung war, beging er einen folgenschweren Fehler, indem er seinem Chef Kurt Burchardt, ein SS-Mann und Mitarbeiter des SD, eine Ausgabe der Zeitung überreichte, da er ihm vertraute und davon überzeugt war, dass Burchardt insgeheim mit den Antifaschisten sympathisiere. Burchardt sandte die Zeitung jedoch an das Reichssicherheitshauptamt (RSHA) und denunzierte Seizinger.

Da die Gestapo der „Lechleiter-Gruppe“ ohnehin bereits auf der Spur war und mehrere (potentielle) Mitglieder beobachtete, schlugen die Verfolgungsbehörden nun mit aller Härte zu. Im Februar und März 1942 wurden bis zu 60 (mutmaßliche) Mitglieder der Lechleiter-Gruppe verhaftet, darunter auch Daniel Seizinger. Am 15. Mai wurde er zusammen mit 13 Mitstreiter*innen vom in Mannheim tagenden Volksgerichtshof wegen „Vorbereitung zum Hochverrat in Verbindung mit Zersetzung der Wehrkraft“ zum Tode verurteilt. Sämtliche Gnadengesuche in den folgenden Wochen und Monaten wurden abgelehnt.

Daniel Seizinger wurde am 15. September 1942 im Stuttgarter Justizgebäude hingerichtet.

Der Stolperstein wurde 2017 auf Initiative der VVN-BdA Mannheim verlegt.

 

Text: Marco Brenneisen (MARCHIVUM), Oktober 2020
Adresse

Schlehenweg 9 (Gartenstadt)
68305 Mannheim
Deutschland

Geolocation
49.531824518614, 8.4954809
Verbundene Stolpersteine