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Dr. Samuel Billigheimer

geboren am
Verfolgung

Jüdischer Lehrer

Emigration nach Australien 1939

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Samuel Billigheimer wurde 1889 in Feudenheim (1910 nach Mannheim eingemeindet) geboren, wohin seine aus Malsch und Schriesheim stammenden Eltern Karl Billigheimer und Karolina geborene Heß im Jahr zuvor gezogen waren.

Nach dem Abitur am Karl-Friedrich-Gymnasium studierte Billigheimer an der Universität Heidelberg Latein, Englisch, Französisch und Philosophie; 1911 promovierte er sich dort mit der Dissertation „Das religiöse Leben des Sully Prudhommes“ zum Dr. phil. Von 1920 bis 1933 unterrichtete er am Mannheimer Lessing-Gymnasium deutsche Literatur und Philosophie. Er war außerdem Vorsitzender der Liberal-Jüdischen Vereinigung, Mitglied des Synagogenrats und des Oberrats der Israeliten Badens.

1921 heiratete er die Mannheimerin Gertrud Feitler, mit der er zwei Kinder bekam.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde Dr. Samuel Billigheimer im Alter von 44 Jahren vorzeitig in den Ruhestand versetzt; der Doktortitel wurde ihm aberkannt.

Im Juli 1938 übernahm Billigheimer die Leitung des jüdischen Lehrhauses Mannheim.

Nach dem Novemberpogrom 1938 wurde er für einige Wochen im KZ Dachau inhaftiert. Am 1. März 1939 emigrierten Samuel und Gertrud Billigheimer nach Melbourne, Australien, wo er bis 1963 als Lehrer für Fremdsprachen an einer Grammar School arbeitete.

Samuel Billigheimer verfasste zahlreiche Gedichte sowie Aufsätze zur deutschen und jüdischen Geistesgeschichte. Aufgrund seiner philosophischen und literaturwissenschaftlichen Kenntnisse war er häufiger Gastredner in Universitäten, Instituten, Forschungs- und Bildungseinrichtungen.

Billigheimer unterhielt er bis zu seinem Tod enge Briefkontakte nach Mannheim und engagierte sich für die christlich-jüdische Zusammenarbeit sowie für freundschaftliche Beziehungen zwischen Deutschland und anderen Ländern. An seinem 80. Geburtstag im Jahr 1969 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

Dr. Samuel Billigheimer starb am 17. Mai 1983 im Alter von 93 Jahren in Melbourne.

 

Der Stolperstein wurde 2013 vor Samuel Billigheimers letztem deutschen Wohnsitz in der Rathenaustraße (damals Charlottenstraße) verlegt. Die Patenschaft hat das Karl-Friedrich-Gymnasium übernommen.

 

Text: Marco Brenneisen (MARCHIVUM), Oktober 2020

 

Literatur:

Lena Burg: Dr. Samuel Billigheimer (1889-1983) - Lehrer in Mannheim und Melbourne, in: Wilhelm Kreuz/Volker von Offenberg (Hg.): Jüdische Schüler des Vereinigten Großherzoglichen Lyceums - Karl-Friedrich-Gymnasiums Mannheim, Mannheim 2014, S. 179-185.

Karl Otto Watzinger: Geschichte der Juden in Mannheim 1650-1945 mit 52 Biographien, 2. Auflage, Stuttgart 1984, S. 81-82.

Adresse

Rathenaustr. 1 (Oststadt)
68165 Mannheim
Deutschland

Geolocation
49.487644234404, 8.4793662490738