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Dr. Władysław Kostrzeński

geboren am
Verfolgung

Polnischer KZ-Häftling

Überlebt

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Dr. Władysław Kostrzeński wurde 1922 in Posen geboren, wo er bis zum Abschluss des Gymnasiums lebte. Nach dem deutschen Überfall auf Polen wurde die Familie nach Warschau zwangsumgesiedelt. Władysław Kostrzeński arbeitete hier zunächst in einer Autowerkstatt, dann als Chauffeur bei verschiedenen Transportbetrieben. 1942 heiratete er Irena Kowalewska, mit der er im Jahr darauf einen Sohn (Krzystof) bekam.

Am großen Aufstand der Warschauer Untergrundarmee gegen die deutschen Besatzer im Sommer 1944 beteiligte sich Kostrzeński nicht aktiv, um seine Familie nicht in Gefahr zu bringen. Er, seine Frau und der wenige Monate alte Sohn wurden im Zuge der blutigen Niederschlagung des Aufstands als Zivilisten verhaftet und in das Durchgangslager Pruszków gebracht, wo sich ihre Wege trennten. Irena und Krzystof wurden nach Kielce zwangsumgesiedelt, Władysław wurde am 9. September zusammen mit mehr als 3.000 weiteren Warschauer Männern und Jungen in das Konzentrationslager Dachau verschleppt. Ende des Monats wurden 1.060 von ihnen, darunter Kostrzeński, in das KZ Mannheim-Sandhofen überstellt. Im Gegensatz zu den meisten anderen Häftlingen dieses Lagers musste Kostrzeński nicht im Daimler-Benz-Werk (Waldhof) arbeiten, sondern wurde zunächst aufgrund seiner Deutschkenntnisse als Dolmetscher eingesetzt, kurze Zeit darauf als Sanitäter in der von ihm mitinitiierten Krankenstube.

Am 23. Dezember 1944 gelang ihm zusammen mit dem Mitgefangenen Jan Pielak die Flucht aus dem KZ-Außenlager Sandhofen. Die beiden Männer marschierten Richtung Süden; bei Bayreuth wurde Kostrzeński von deutschen Zivilisten, die vorgaben, ihm zu helfen, bei der Polizei denunziert und erneut verhaftet. Nach etwa sechs Wochen im Gefängnis St. Georgen wurde er Anfang Februar 1945 in das Arbeitserziehungslager (AEL) Langenzenn überstellt. Ein gegen ihn verhängtes Todesurteil wurde aufgrund der heranrückenden Alliierten nicht mehr vollstreckt, doch ging Władysław Kostrzeńskis Leidensweg noch einige Wochen weiter: Er musste einen „Todesmarsch“ in das KZ Hersbruck antreten, von wo aus er Anfang April in das Konzentrationslager Flossenbürg gebracht wurde. Dort erlebte er am 23. April 1945 – schwer an Typhus erkrankt – die Befreiung des Lagers durch die US-Army.

Władysław Kostrzeński kehrte nach dem Krieg nach Warschau zurück, wo er zunächst wieder als Chauffeur arbeitete, 1946 ein Studium an der Fakultät für Mathematik und Naturwissenschaften begann und sich 1960 promovierte. Als Mikrobiologe arbeitete er bis zu seinem Ruhestand am Warschauer Tuberkulose-Institut. 1946 und 1952 kamen seine Kinder Elzbieta und Dorota zur Welt.

1989/90 verfasste Kostrzeński einen ersten längeren Erinnerungsbericht über seinen Leidensweg durch deutsche Konzentrationslager und Gefängnisse; in dieser Zeit begann auch eine langjährige Korrespondenz mit der KZ-Gedenkstätte Sandhofen. 1994 kam er auf Einladung des Trägervereins der KZ-Gedenkstätte erstmals seit 1944 wieder nach Mannheim.

Obgleich Kostrzeński nur knapp drei Monate im KZ Sandhofen inhaftiert war, waren seine präzisen und detailreichen Erinnerungen an das Lager bei der Erforschung der Lagergeschichte von herausragender Bedeutung.

Sein umfangreicher Erlebnisbericht „Meine Flucht“ erschien 2010 im Mannheimer Wellhöfer-Verlag.

Władysław Kostrzeński hat die Veröffentlichung nicht mehr erlebt. Er starb am 15. Februar 2001 in Warschau.

Der Stolperstein zum Gedenken an Dr. Władysław Kostrzeński wurde 2017 auf Initiative des Vereins KZ-Gedenkstätte Sandhofen e.V. vor der Gustav-Wiederkehr-Schule verlegt, in der sich 1944/45 das KZ Sandhofen befand.

Text: Marco Brenneisen (MARCHIVUM), Oktober 2020

 

Literatur:
Władysław Kostrzeński: Meine Flucht. Gefangenschaft und Überleben in den Lagern Mannheim-Sandhofen, Langenzenn und Flossenbürg 1944/45, hg. von Peter Koppenhöfer und Joachim Mensdorf, Mannheim 2010.

Adresse

Kriegerstraße 28 (Gustav-Wiederkehr-Schule, Sandhofen)
68307 Mannheim
Deutschland

Geolocation
49.545142536483, 8.4434378079345