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Erna Schneemann

geboren am
Verfolgung

Als "Halbjüdin" verfolgt

1942 in Auschwitz ermordet

Kachelbild
Text

Erna Schneemann wurde 1907 unehelich als Erna Lion in Mosbach geboren. Ihre jüdische Mutter, Marie Lion, heiratete 1912 den protestantischen Fuhrknecht Wilhelm Schneemann, der Erna adoptierte und sie evangelisch taufen ließ. Erna Schneemann wurde christlich erzogen.

Nach dem Schulabschluss arbeitete sie als Dienstmädchen in verschiedenen Privathaushalten. Im Jahr 1930 bekam sie außerehelich ein Kind.

Mit Unterbrechungen lebte Erna Schmeenann ab September 1937 in Mannheim, zuletzt in R 7, 24. Dort arbeitete sie im jüdischen Waisenhaus des Ehepaars Moritz und Margarete Oppenheimer, da sie als sogenannte „Halbjüdin“ keine Anstellungen in „arischen“ Haushalten mehr finden konnte.

Am 22. Oktober 1940 wurde Erna Schneemann nach Gurs deportiert. Zu den mehr als 6.500 Verschleppten zählten auch die Familie Oppenheimer sowie die Kinder des Waisenhauses.

Erna Schneemanns Vater sowie der Bruder Walter setzten alles daran, mit Bittschreiben an diverse Ämter, NS-Organisationen und Einzelpersonen die Freilassung ihrer Tochter bzw. Schwester zu erreichen. So schrieben sie zwischen 1940 und 1942 etwa an die Staatspolizeileitstelle Karlsruhe, die NSDAP-Zentrale in München, Reichsstatthalter Robert Wagner, das Auswärtige Amt und sogar das Reichssicherheitshauptamt. Sämtliche Bitten wurden jedoch abgelehnt oder gar nicht erst beantwortet.

Erna konnte mit ihrer Familie schriftlich in Kontakt bleiben; bis Juni 1942 schrieb sie 62 Briefe und Postkarten aus dem Lager Gurs, die über Verwandte in der Schweiz zu ihren Eltern nach Mosbach gelangten. Mitte Juli wurde Erna Schneemann nach Montmélian (bei Chambéry, Savoie) gebracht und vermutlich im „Centre Social dˈ Accueil des Etrangers“, einem Lager in der Kaserne Montfort, untergebracht. Ihr letztes Schreiben, das sie über das Rote Kreuz aus Montmélian versenden konnte, datiert vom 14. August und umfasste nur wenige Zeilen: „Meine Lieben, seid Ihr Alle gesund. Liebe Eltern, erhaltet Euch für uns, wir brauchen Euch nötig. Ich bitte Walter, dass er Euch unterstützt. Küsse. Erna.“

Ende August 1942 ließ die mit NS-Deutschland kollaborierende Vichy-Regierung im unbesetzten Teil Frankreichs großangelegte Razzien durchführen und lieferte mehr als 6.500 ausländische sowie staatenlose Jüdinnen und Juden an die Deutschen aus. Darunter befanden sich auch Erna Schneemann und 27 weitere Personen aus der Kaserne Montfort, die am 27.08. vermutlich über die Zwischenlager Ruffieux und Vénissieux (bei Lyon) in das Durchgangslager Drancy verschleppt wurden.

Erna Schneemann wurde am 9. September 1942 von Drancy nach Auschwitz deportiert und ermordet. Sie wurde nur 35 Jahre alt.

Der Stolperstein zum Gedenken an Erna Schneemann wurde 2019 auf Initiative von Angehörigen und dem MARCHIVUM verlegt.

 

Text: Marco Brenneisen (MARCHIVUM), Oktober 2020
Adresse

R 7, 24
68161 Mannheim
Deutschland

Geolocation
49.487077968585, 8.47498905