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Ernst Leopold Barsdorf

geboren am
Verfolgung

Jüdischer Kaufmann

Emigration in die USA 1940

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Die Familie Ernst, Fanny und Hans Barsdorf
Ernst Leopold Barsdorf wurde 1876 als zweites von fünf Kindern des Kaufmanns Julius Jacob Barsdorf (1845-1897) und der Kauffrau Agnes Barsdorf geb. Götz in Krefeld geboren. Der Vater war Inhaber der Seidenwarenhandlung R.D. Warburg & Co., welche nach dessen Tod von Agnes Barsdorf weitergeführt wurde, die aus einer wohlhabenden Hamburger Bankiers- und Kaufmannsfamilie stammte. Seine Geschwister waren Julius jun. (1875-1930), Olga verh. Grünberg (geb. 1881, 1944 in Auschwitz ermordet), Alice (1887-1939) und Edgar (geb. 1892, in den 1930er Jahren nach Südamerika emigriert).
Auch Ernst Leopold Barsdorf wurde ein erfolgreicher Kaufmann. Nach zweijährigem Aufenthalt in Hamburg zog er im Jahr 1898 nach Durban, Südafrika, wo er mehr als ein Jahrzehnt als Handelsvertreter im Import und Export reüssierte. Es soll elf Sprachen fließend gesprochen haben. 1910 kehrte er nach Deutschland zurück und ließ sich in Mannheim nieder, wo er als Prokurist der Firma „Lenel, Bensinger & Co. GmbH“ tätig war; einer Firma, die sich auf die Fabrikation wasserdichter Wäsche spezialisiert hatte. Im gleichen Jahr trat er aus der jüdischen Gemeinde aus und bezeichnete sich als freireligiös.
1914 heiratete er im fränkischen Marktbreit die von dort stammende Fanny Putzel (Tochter von Leopold Putzel und Sabina geb. Eisenkeimer). Das Ehepaar lebte (mit Unterbrechung in den Jahren 1915-1919, in denen es in Marktbreit wohnte) im Erdgeschoss des imposanten Hauses Heinrich-Lanz-Straße 37-39.
Im November 1919 kam der Sohn Hans Julius zur Welt. Er besuchte in Mannheim die Pestalozzischule, das Badische Realgymnasium und 1934/35 die Höhere Handelsschule.
Seit der Machtübernahme der Nationalsozialisten war die jüdische Familie zunehmenden Repressionen ausgesetzt. Sohn Hans musste seine erst 1936 begonnene kaufmännische Lehre bei der Mannheimer Zigarrenfabrik Blum nach nur einem Jahr abbrechen. Im Juni 1937 emigrierte er im Alter von 17 Jahren alleine in die USA.
Ernst Leopold Barsdorf verlor seine Anstellung bei der Firma Lenel, Bensinger & Co., für die er 29 Jahre lang tätig gewesen war, nach der „Arisierung“ des Unternehmens im Jahr 1939. Vermutlich war die NS-Verfolgung und der damit verbundene schrittweise Entzug der Existenzgrundlage auch der Grund dafür, dass das Ehepaar Barsdorf 1939, nach 20 Jahren, die große Wohnung in der Heinrich-Lanz-Straße aufgab und in eine kleine Wohnung nach L 15 umzog. Noch im gleichen Jahr zogen Ernst und Fanny Barsdorf nach C 1, 9. Im Mai 1940, fünf Monate, bevor die Mehrzahl der badischen, pfälzischen und saarländischen Jüdinnen und Juden nach Gurs deportiert wurde, gelang dem Ehepaar die Flucht aus Deutschland, zu ihrem Sohn Hans nach Detroit.
Hans Barsdorf kehrte 1944 nochmal nach Europa zurück. Diesmal jedoch als Soldat der US-Army, für die er in Frankreich gegen Nazi-Deutschland kämpfte, wo er verwundet wurde. Nach dem Krieg kehrte er in die USA zurück, wo die Familie Zeit ihres Lebens blieb.
Ernst Barsdorf arbeitete bis ins hohe Alter als Vertreter für Manufakturwaren und starb 1967 im Alter von 91 Jahren. Seine Frau Fanny war als Verkäuferin in einem Damenmodegeschäft tätig und starb 1980. Sie wurde 92 Jahre alt. Hans, der sich in John umbenannte, heiratete zwei Mal und bekam zwei Töchter. Beruflich folgte er der Familientradition und war als Handelsvertreter tätig. Er starb im Januar 2001 im Alter von 81 Jahren in Detroit, Michigan.

 

Die Stolpersteine für die Familie Barsdorf wurden von Angehörigen aus den USA initiiert und am 6. Oktober 2021 verlegt.

 

Text: Marco Brenneisen (MARCHIVUM), Oktober 2021
Bilder: privat / Foto Stolpersteine: Helmut G. Roos

 

Adresse

C 1, 9
68159 Mannheim
Deutschland

Geolocation
49.487143318585, 8.4646734