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Georg Ehret

geboren am
Verfolgung

Wegen angeblicher Plünderung am 15.01.1944 hingerichtet

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Text

Der Arbeiter Georg Ehret wurde am 11. Dezember 1898 als Sohn einer ärmlichen Schneiderfamilie in Zürich geboren. Nach der 7. Klasse verließ er die Volksschule, um bei Bauern zu arbeiten.

Während des 1. Weltkriegs und in der Nachkriegszeit wurde Ehret mehrmals wegen kleiner Eigentumsdelikte angeklagt; 1922 wurde er wegen Brandstiftung zu 6 Jahren Zuchthaus verurteilt, die er in Ludwigsburg verbüßte. Nach der Haftentlassung zog er im Oktober 1928 nach Mannheim, wo er 1930 die Hausangestellte Agathe Hettesheimer heiratete. 1936 kam die Tochter Gisela Georgina zur Welt, die jedoch im Alter von vier Wochen starb. Im August 1940 wurde die zweite Tochter, Waltraud Agathe, geboren. Die Familie lebte zunächst in der Neckarstadt, dann in den Quadraten und ab März 1941 in der Schwetzingerstadt, im Hinterhaus der Rheinhäuserstraße 56.

Nach einem alliierten Luftangriff am 5. September 1943 half Georg Ehret bei der Löschung des ausgebrannten Vorderhauses des Kartoffelgroßhändlers Joseph Kuhn. Als Soldaten, die sich an den Löscharbeiten beteiligten, Lebensmittel und Wein aus den Kellerräumen bargen und wegschleppten, nahm sich auch Georg Ehret 15 Fleischkonserven und brachte sie in sein Gartenhäuschen auf dem Almenhof.

Joseph Kuhn erstattete 10 Tage später Anzeige wegen Diebstahls von 8 Flaschen Schnaps, 40 Konservendosen, einem Topf Schweinefett sowie zwei 100-Liter-Fässern Apfelwein und verdächtigte Georg Ehret. Obgleich Kuhns Tochter Ehret bei einer Vernehmung entlastete, keine Beweise vorlagen und Ehret in den wochenlangen Verhören beteuerte, lediglich 15 Konserven entwendet zu haben, sprach das Mannheimer Sondergericht – gegen dessen Beschlüsse keine Rechtsmittel eingelegt werden konnten – ihn wegen Plünderung nach § 1 der „Volksschädlingsverordnung“ schuldig und verurteilte ihn zum Tode.

Georg Ehret wurde am 15. Januar 1944 in Stuttgart mit dem Fallbeil hingerichtet. Er wurde 45 Jahre alt.

 

Der Stolperstein wurde initiiert vom Arbeitskreis Justiz und Geschichte des Nationalsozialismus in Mannheim e.V. (AK Justiz), der auch die Patenschaft übernommen hat. Im Redebeitrag zur Stolpersteinverlegung am 12. März 2010 wird die Biografie von Georg Ehret ausführlicher behandelt:

http://www.akjustiz-mannheim.de/Stolperstein-Georg-Ehret.pdf

 

Text: Marco Brenneisen (MARCHIVUM), Oktober 2020

Adresse

Rheinhäuserstr. 56 (Schwetzingerstadt)
68165 Mannheim
Deutschland

Geolocation
49.477907909484, 8.4796469208124