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Lore Stern

geborene
Adler
geboren am
Verfolgung

Als Jüdin verfolgt


1940 nach Gurs deportiert
Flucht aus Rivesaltes
Überlebt

Kachelbild
Text

Lore Friedericke Stern geb. Adler wurde 1923 als zweites von drei Kindern des Kaufmanns Moses Adler und dessen Ehefrau Elisabeth geb. Bodenheimer in Mannheim geboren und wuchs in der Innenstadt auf. Nach der Volksschule besuchte sie ab 1933 die Elisabeth-Oberschule, aus der sie aber um 1936 als Jüdin ausgeschlossen wurde. Sie besuchte schließlich die 1934 aufgrund der zunehmenden antijüdischen Maßnahmen des NS-Staats gegründete Jüdische Schule, bis die Stadt Mannheim der Gemeinde das Schulgebäude im Mai 1939 entzog. Lore Adler, die eigentlich gerne Medizin studiert hätte, absolvierte anschließend einen Kurs für Heil- und Sportmassage.

Am 22. Oktober 1940 wurde die Familie Adler – Lore, ihre Eltern und ihr damals zwölfjähriger Bruder Siegfried – nach Gurs deportiert. Siegfried konnte nach wenigen Monaten von französischen Hilfsorganisationen aus dem Lager gerettet werden und überlebte in Frankreich. Moses, Elisabeth und Lore Adler wurden im März 1941 in das Lager Rivesaltes „überstellt“, wo der Vater Ende Dezember starb.

Im Juli 1942 heiratete Lore Adler, damals 19 Jahre alt, im Lager Rivesaltes den 36 Jahre älteren Mannheimer Kaufmann Friedrich „Fritz“ Stern. Dem Ehepaar gelang am 4. August 1942, genau eine Woche bevor die Deportationen aus Rivesaltes (über Drancy) in die Vernichtungslager begannen, zusammen mit der (Schwieger-)Mutter Elisabeth Adler die Flucht aus dem Lager. Unter falscher Identität als Familie „Kern“ aus dem lothringischen Petite-Rosselle konnten sie in französischen Notunterkünften und Verstecken untertauchen Im Februar 1943 kam die Tochter Berthe in Lyon zur Welt. Am 3. September 1944 erlebte die kleine Familie dort die Befreiung durch die Alliierten. Der Sohn Georges (1980-1992 Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in Mannheim) wurde Ende 1944 ebenfalls in Lyon geboren.

Im Dezember 1949 kehrten Lore und Fritz Stern mit den Kindern nach Mannheim zurück und lebten zunächst in R 7, 24, dem Gebäude des ehemaligen jüdischen Waisenhaus, wo 1946 die Jüdische Gemeinde Mannheim neugegründet worden war. Ab 1950 lebte die Familie in der Schwetzingerstadt. 1956 wurde die zehn Jahre zuvor nur nach jüdischem Ritual vollzogene Eheschließung standesamtlich vollzogen.
Fritz Stern starb im Juli 1969 in Mannheim. Lore Stern heiratete in den 1970er Jahren erneut. Sie starb am 24. Mai 2010 im Alter von 87 Jahren.

 


Die Stolpersteine für Fritz und Lore Stern wurden 2015 verlegt. Die Jüdische Gemeinde Mannheim hatte die Verlegung initiiert und ihrem ehemaligen Vorsitzenden Georges Stern zum Gedenken an seine Eltern zum 70. Geburtstag geschenkt.

 

Text: Marco Brenneisen (MARCHIVUM), Oktober 2020
Adresse

T 6, 25 (Innenstadt)
Mannheim
Deutschland

Geolocation
49.488324018586, 8.4756178