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Marian Krainski

geboren am
Verfolgung

Polnischer KZ-Häftling

Ermordet am 04.01.1945 im
KZ Sandhofen

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Marian Kraiński wurde am 25. Juli 1914 in Warschau geboren.

Als die polnische Untergrundarmee (Armia Krajowa) am 1. August 1944 den Warschauer Aufstand gegen die deutschen Besatzer begann, war er 30 Jahre alt, gelernter Frisör und lebte mit seiner Ehefrau und den drei gemeinsamen Kindern im Stadtteil Wola. In diesem am linken Weichselufer gelegenen Stadtteil verübten die Deutschen im Zuge der Niederschlagung des Aufstands in der ersten Augusthälfte grauenhafte Verbrechen an der Zivilbevölkerung. Das „Massaker von Wola“, dem in drei Tagen schätzungsweise 30.000 Zivilistinnen und Zivilisten zum Opfer fielen, gilt – gemessen an der Zahl der Ermordeten – zu den größten Kriegsverbrechen in Europa während des Zweiten Weltkriegs. Auch Marian Kraińskis Frau und die drei Kinder wurden ermordet.

Marian Kraiński selbst wurde verhaftet und Anfang September über das Durchgangslager Pruszków in das Konzentrationslager Dachau verschleppt. Zwei Wochen später wurde er zusammen mit 1.059 weiteren Warschauern in das KZ Sandhofen (ein Außenlager des KZ Natzweiler) überstellt und zur Zwangsarbeit im Daimler-Benz-Werk Mannheim-Waldhof eingesetzt. Der überlebende Mithäftling Zbigniew Borkowski erinnert sich:

„Marian Kraiński hatte wie ich an einer Schleifmaschine seine Arbeit verrichten müssen. Ich glaube, er war nicht gut genug ausgebildet, um diese Arbeit genau und sorgfältig auszuführen. Seine Arbeit war noch schwerer als meine. Wenn einmal etwas zu Schrott gemacht worden war, musste die Leitung informiert werden. Ich weiß, dass es Kraiński mit dem Schleifgerät an einer Hülse oder Tülle passierte. Es musste der Leitung gemeldet werden und für die war es Sabotage.“

Die Werksleitung von Daimler-Benz meldete den Vorfall der SS-Kommandantur, welche das SS-Wirtschafts-Verwaltungs-Hauptamt in Berlin über die vermeintliche Sabotage informierte. Marian Kraiński wurde vorerst in ein Arbeitskommando im Freien (auf dem Werksgelände) eingeteilt, wo er die nächsten vier bis sechs Wochen arbeitete. Am Abend des 3. Januar 1945 musste alle Häftlinge des KZ Sandhofen zum Appell antreten, wo das Todesurteil gegen Kraiński verlesen wurde. Die Nacht verbrachte er in einer Zelle des Sandhofer Polizeireviers. Am nächsten Morgen um 11 Uhr wurde Marian Kraiński auf dem Schulhof der Friedrichschule (heute Gustav-Wiederkehr-Schule) an einer Platane erhängt. Etwa 30 Mithäftlinge mussten der Hinrichtung zusehen. Von der Straße aus beobachteten zahlreiche Einwohnerinnen und Einwohner, darunter Kinder, die Ermordung des 30-jährigen Warschauers.

Marian Kraiński wurde auf dem Hauptfriedhof Mannheim beigesetzt.

 

Der Stolperstein wurde 2010 auf Initiative des Vereins KZ-Gedenkstätte Sandhofen e.V. vor der Gustav-Wiederkehr-Schule verlegt, in der sich 1944/45 das KZ Sandhofen befand.

Text: Marco Brenneisen (MARCHIVUM), Oktober 2020

 

Literatur:
Peter Koppenhöfer/Michael Schmid: Dokumentation: Die Ermittlungen im Fall Marian Krainski. Auszüge aus einem Verfahren gegen ehemalige Mitarbeiter des Mannheimer Daimler-Benz-Werkes, in: Hamburger Stiftung für Sozialgeschichte des 20. Jahrhunderts (Hg.): Das Daimler-Benz-Buch. Ein Rüstungskonzern im "Tausendjährigen Reich", Nördlingen
1987, S. 543-558.

Adresse

Kriegerstraße 28 (Gustav-Wiederkehr-Schule, Sandhofen)
68307 Mannheim
Deutschland

Geolocation
49.545151749942, 8.4435617524674