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Paul Nikolaus Steiner

geboren am
Verfolgung

Jüdischer Schriftsteller und Kabarettist

1933 Suizid im Exil

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Paul Nikolaus Steiner wurde 1894 als erstes von zwei Kindern des jüdischen Kaufmanns Moritz Steiner (1866-1911) und dessen Ehefrau Emilie geb. Rothschild (1869-1942) in Mannheim geboren. Der Vater war Direktor der Rheinmühlenwerke; in Mannheim war die wohlhabende Familie bekannt und angesehen.

Im Jahr 1912 machte Paul Nikolaus Steiner sein Abitur am Karl-Friedrich-Gymnasium und erwog, Medizin zu studieren. Möglicherweise begann er das Studium 1914, wurde jedoch nach dem Ausbruch des 1. Weltkriegs zum Wehrdienst eingezogen. Nach Kriegsende kehrte er nach Mannheim zurück und betätigte sich schriftstellerisch. Er schrieb für die in Mannheim herausgegebene Zeitschrift „Der Revolutionär“ seines Freundes Moritz Lederer, war an der Herausgabe der expressionistischen Zeitschrift „Der grüne Schrey“ und dessen Diskussionszirkel beteiligt. Gleichzeitig betätigte er sich auf Seiten der revolutionären Bewegung, soll gerüchteweise sogar zeitweiliger Redakteur der „Roten Fahne“ in Mannheim gewesen sein. Im Mannheimer „Apollo-Theater“ moderierte er die regelmäßig stattfindenden Dilettanten-Vorstellungen. In der Revolutionszeit oder kurz danach muss Paul Nikolaus Steiner auch schon häufiger in Berlin gewesen sein, seine Anfänge im dortigen Kabarett kann man in den einschlägigen Werken zur Kabarettgeschichte nachverfolgen. Im März 1926 meldete sich Paul Nikolaus Steiner dauerhaft nach Berlin ab. Dort gelang ihm unter dem Künstlernamen „Paul Nikolaus“ der Durchbruch als Kabarettist, Conférencier, Dichter und Bühnenautor. Zu seinen künstlerischen Weggefährten zählten bekannte Persönlichkeiten wie Erich Kästner, Hans Reimann und Max Hermann-Neiße. Im „Metzler Kabarett-Lexikon“ (hg. Von K. Budzinski und R. Hippen) wird sein Wirken folgendermaßen gewürdigt:

„Nikolaus war der spirituell schärfste, politisch kompromissloseste Conférencier der Weimarer Republik. Seine schnelle Reaktion auf Aktuelles bewies er Abend für Abend im Kabarett der Komiker’, wenn er sich die Andrucke der Zeitungen vom nächsten Morgen in die Garderobe bringen ließ und auf die Neuigkeiten, die sein Publikum erst am nächsten Tag erfahren sollte, sofort seine brillant formulierten Glossen machte.“

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten und aufgrund der sofort einsetzenden antijüdischen Maßnahmen flüchtete Paul Nikolaus Steiner im März 1933 nach Zürich in die Schweiz. In einem Abschiedsbrief an seine Familie schrieb er von dort: „Einmal kein Scherz: Ich nehme mir das Leben. Ich könnte nicht nach Deutschland zurück, ohne es mir dort zu nehmen… und ich habe mich leider in mein Vaterland verliebt.“

Paul Nikolaus Steiner nahm sich am 31. März 1933 in Luzern das Leben.

 

Der Stolperstein zum Gedenken an Paul Nikolaus Steiner wurde 2012 verlegt.

 

Text: Marco Brenneisen (MARCHIVUM), Oktober 2020
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