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Prof. Dr. Paul Eppstein

geboren am
Verfolgung

Jüdischer Soziologe und Volkswirt

1944 in Theresienstadt ermordet

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Dr. Paul Maximilian Eppstein wurde am 4. März 1902 als erstes Kind des Kaufmanns Isidor Eppstein und dessen Ehefrau Johanna geborene Scharff in Ludwigshafen geboren. 1908 zog die jüdische Familie nach Mannheim, wo der Vater Teilhaber der Hemdenfabrik Eppstein & Gerstle wurde.

1920 machte Paul Eppstein sein Abitur in Mannheim, anschließend studierte er in Heidelberg Rechts- und Staatswissenschaft, Volkswirtschaft, Geschichte, Soziologie, Philosophie und Psychologie. 1924 promovierte er sich an der Philosophischen Fakultät und begann eine Tätigkeit als Assistent am Volkswirtschaftlichen Seminar der Handelshochschule Mannheim. Hinzu kamen in den folgenden Jahren diverse weitere Beschäftigungen und Anstellungen: So war Eppstein von 1925 bis 1933 Dozent am Mannheimer Fröbelseminar, nach erfolgreicher Habilitation von 1929 bis 1933 zugleich Privatdozent für VWL an der Handelshochschule. Besondere Verdienste erwarb er sich um die Volkshochschule Mannheim, die er von 1928 bis 1933 im Ehrenamt leitete, grundlegend neu organisierte und zu einer viel beachteten, modernen Einrichtung der Erwachsenenbildung machte. Daneben förderte Eppstein die Einrichtung einer Notschule für erwerbslose Jugendliche und war in der jüdischen Jugendarbeit engagiert. Unter anderem war er Mitbegründer des „Reichsausschusses der jüdischen Jugendverbände in Deutschland“.

Im August 1930 heiratete Paul Eppstein die Psychologin und Sozialberaterin Dr. Hedwig Strauß, welche im Wohlfahrts- und Jugendamt der Israelitischen Gemeinde Mannheim tätig war.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde Paul Eppstein am 7. April 1933 von all seinen Ämtern beurlaubt und später auf Grundlage der „Rassegesetze“ entlassen. Das Ehepaar verließ daher Mannheim im Dezember 1933 und zog nach Berlin, wo Paul Eppstein zu einem der führenden Vertreter der „Reichsvereinigung der Juden in Deutschland“ wurde: zunächst als Leiter des Darlehenskassenwesens sowie als Leiter der Abteilung Berufsbildung, später als Leiter der Auswanderungsabteilung.

Am 26. Januar 1943 wurden Paul und Hedwig Eppstein (zusammen mit Leo Baeck) in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit in der „Reichsvereinigung“ wurde Paul Eppstein dort zum „Judenältesten“, d.h. zu einem Mitglied des sogenannten Judenrats, bestimmt. Als solcher war er unter anderem gezwungen, Deportationen in die Vernichtungslager mit vorzubereiten.

Am 27. September 1944 wurde Paul Eppstein von der SS aus dem Ghetto in die „Kleine Festung“ Theresienstadt verbracht und erschossen. Hedwig Eppstein wurde etwa einen Monat später in Auschwitz ermordet.

 

Der Stolperstein für Paul Eppstein wurde 2012 verlegt.

 

Text: Marco Brenneisen (MARCHIVUM), Oktober 2020
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