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Walter Blum

geboren am
Verfolgung

Als "Halbjude" verfolgt

1944 im KZ Auschwitz-Monowitz
gestorben

Kachelbild
Text

Walter Blum wird am 23. Mai 1921 in der Mannheimer Spiegelfabrik 286 (Luzenberg) geboren. Sein Vater, der Bäcker Sigmund Blum, ist Jude; seine Mutter Helene geborene Kretzler ist Katholikin. Walter wird katholisch getauft.

Nach dem frühen Tod der Mutter (sie stirbt im Dezember 1926 im Alter von 40 Jahren) lebt Walter für einige Monate in der Familie eines Fabrikarbeiters in der Neckarstadt-West, ab Januar 1930 bei seinem Vater in F 3, 13. 1930/31 zieht er zur Großmutter Klara Blum nach Rülzheim, kehrt jedoch im April 1931 nach Mannheim zurück und lebt im Israelitischen Waisenhaus in R 7, 24. 1934 findet seine Bar Mitzwa in der Hauptsynagoge in F 2 statt.

Walter Blum besucht die jüdischen Schulklassen in K 2, 6. Er ist ein begeisterter und talentierter Fußballspieler und eng mit Ernst (später Ernest) Michel sowie Robert Kahn befreundet.

Nach zwei weiteren Wohnungswechseln lebt Walter 1939 für einige Monate in der Familie seines Freundes Ernst Michel in der Richard-Wagner-Straße, anschließend in O 7, 27 und F 5, 25. In einer Anlernwerkstatt in Mannheim-Neckarau absolviert er eine Ausbildung zum Elektriker, danach arbeitet er als Mechaniker.

Am 4. Januar 1940 meldet sich Walter Blum nach Bielefeld ab, wo er zunächst in einem sogenannten Judenhaus lebt und anschließend in ein Arbeitslager eingewiesen wird. Im Juni 1940 wird er in das „Umschulungs- und Einsatzlager“ Paderborn gebracht, wo er 1942 seinen Mannheimer Freund Ernst Michel wiedertrifft.

Walter und Ernst werden am 1. März 1943 zusammen nach Auschwitz deportiert und zur Zwangsarbeit in Auschwitz III (Monowitz) selektiert. Sie teilen sich eine Pritsche in Block 10 des Lagers, dessen Häftlinge unter mörderischen Bedingungen für die IG Farben eine Fabrik zur Herstellung künstlichen Kautschuks (Buna) errichten müssen.

Walter Blum erkrankt 1943 an Tuberkulose. Ernst Michel, der im „Krankenbau“ als Häftlingspfleger eingesetzt ist, versucht seinem Freund mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu helfen. Um eine Verlegung in den Krankenbau – den die wenigsten Häftlinge lebend verlassen – zu verhindern, fälscht er sogar Walters Krankenakte.
Doch alle Hilfsversuche sind vergeblich. Walter Blum stirbt am 19. November 1944 im Alter von 23 Jahren im Beisein Ernst Michels im KZ Auschwitz-Monowitz an Tuberkulose.

 

Der Stolperstein zum Gedenken an Walter Blum wurde 2015 verlegt.

 

Text: Marco Brenneisen (MARCHIVUM), Oktober 2020

 

Literatur:

Ernest W. Michel: Promises Kept. Ein Lebensweg gegen alle Wahrscheinlichkeiten, Mannheim 2013 [engl. Original: Fort Lee, USA 2008]. Darin insbesondere das Kapitel „Mein Freund Walter“, S. 120-129.

Susanne Reber: Walter Blum, 1921-1944, http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20423/Mannheim%20Walter%20Blum%201921-1944.pdf

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