Stolpersteine in Mannheim

Seit dem Jahr 2007 existieren in Mannheim Stolpersteine zum Gedenken an Opfer und Verfolgte des Nationalsozialismus. Die Stolpersteine sind ein seit den 1990er Jahren bestehendes Projekt des Kölner Künstlers Gunter Demnig, der bis heute über 75.000 dieser Erinnerungszeichen hergestellt und in ganz Europa verlegt hat. Die in den Bodenbelag von Gehwegen eingelassenen quadratischen Messingtafeln werden in der Regel vor dem letzten frei gewählten Wohnhaus von Menschen verlegt, die zwischen 1933 und 1945 von den Nationalsozialisten verfolgt, gedemütigt, vertrieben, deportiert, ermordet oder in den Suizid getrieben wurden.

In Mannheim werden die Stolperstein-Verlegungen organisiert von einem bürgerschaftlichen Arbeitskreis, dem unter Federführung der NaturFreunde Mannheim mehrere Einzelpersonen, Gruppen, Organisationen und Vereine angehören, wie etwa der Arbeitskreis Justiz und Geschichte des Nationalsozialismus in Mannheim (AK Justiz), die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten Mannheim (VVN-BdA), die Freireligiöse Gemeinde oder der DGB. Das MARCHIVUM unterstützt den AK Stolpersteine wissenschaftlich und organisatorisch.

Die Initiative zur Verlegung eines Stolpersteins kommt mitunter aus dem Arbeitskreis selbst, häufig aber auch von Angehörigen bzw. Nachfahren von NS-Verfolgten, von Schulen, Vereinen, Organisationen, Parteien und Religionsgemeinschaften, wie auch von Privatpersonen. Meist übernehmen diese auch die „Patenschaft“ für den jeweiligen Stolperstein.

Gewöhnlich werden jedes Jahr an mindestens einem Tag von Gunter Demnig mehrere Stolpersteine in Mannheim verlegt. Die Verlegungen sind öffentliche Veranstaltungen mit kurzen Redebeiträgen zur Biografie der betreffenden Person, manchmal mit musikalischer Begleitung, einer Schweigeminute, Gebeten, Niederlegung von Blumen oder anderen Formen des Gedenkens.

Bislang (Stand: Oktober 2020) befinden sich im Mannheimer Stadtgebiet 178 Stolpersteine. Die Mehrzahl (122 Steine) erinnert an jüdische Opfer und Verfolgte, 30 Stolpersteine an politische NS-Gegner*innen und Personen des Widerstands (u.a. Mitglieder der „Lechleiter-Gruppe“). Zudem befinden sich vor den Lauerschen Gärten drei Stolpersteine für Hermann Adis, Adolf Doland und Erich Paul, die am 28. März 1945, einen Tag vor dem Einmarsch der US-Armee, wegen Hissens der weißen Fahne hingerichtet wurden. Acht Stolpersteine wurden zum Gedenken an Zwangsarbeiter*innen und Häftlinge des KZ Sandhofen verlegt, sieben zur Erinnerung an Menschen, die als „Asoziale“ gebrandmarkt und verfolgt oder vom Mannheimer Sondergericht wegen Bagatelldelikten als „Volksschädlinge“ zum Tode verurteilt wurden. Sechs Steine sind Opfern des nationalsozialistischen „Euthanasie“-Programms („T 4“) gewidmet, ein weiterer Stolperstein erinnert an Ilse Klußmann, die 1936 zwangssterilisiert wurde. In F 4, 17 befindet sich außerdem ein Stolperstein zum Gedenken an Herbert Klingmann, der aufgrund seiner Homosexualität verfolgt wurde und 1940 im KZ Dachau starb.