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Friedrich Dürr

geboren am
Verfolgung

Kommunistischer Widerstandskämpfer

Als entflohener KZ-Häftling am Dachauer Aufstand am 28.4.1945 beteiligt

Von der SS erschossen

 

 

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Friedrich Dürr wurde am 1. Februar 1904 als letztes von 5 Kindern des evangelischen Taglöhners Johann Heinrich Dürr und seiner katholischen Ehefrau Berta geborene Nesselhauf in Mannheim geboren und wuchs in der Innenstadt auf. Er wurde evangelisch getauft; 1929 trat er aus der Kirche aus. Am 27. September 1930 heiratete er in Mannheim die fünf Jahre jüngere Anna Göckel; die Ehe blieb kinderlos. Das Ehepaar lebte in der Langen Rötterstraße 22 in der Neckarstadt-West.

Nach dem Volksschulabschluss absolvierte Friedrich Dürr 1919 bei Daimler-Benz eine Ausbildung zum Maschinenschlosser; 1924 wurde er – vermutlich aufgrund seiner politischen Betätigungen – entlassen. Dürr war Kommunist und schon nach dem kurzzeitigen KPD-Verbot 1923 im Alter von 19 Jahren in der Illegalität politisch aktiv. Spätestens 1930 trat er der KPD bei; von 1929 bis 1931 war er Mitglied der Revolutionären Gewerkschafts-Opposition (RGO). In einem antifaschistischen Ausschuss in der Neckarstadt setzte er sich Anfang der 1930er Jahre für eine Einheitsfront aller linker Parteien gegen die zunehmend erstarkenden Nationalsozialisten ein.

Nach der Machtübernahme der NSDAP und dem erneuten Verbot der KPD setzte Dürr seinen antifaschistischen Kampf in der Illegalität fort. Im Oktober 1934 übernahm er den Posten des Bezirkskassiers der verbotenen KPD. In der Silvesternacht 1934/35 ließ Friedrich Dürr zusammen mit zwei Genossen am Marktplatz und am Tattersall aus Luftballons Flugblätter regnen mit den Aufschriften: „Mit Jammern und Klagen wird nichts bestellt, mit Hammer und Sichel gewinnst du die Welt“ und „1935! Schmiedet die Einheitsfront gegen Hitler!“.

Zwei Wochen darauf wurde Dürr verhaftet und am 18. Juli 1935 vom Oberlandesgericht Karlsruhe wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu 3 Jahren und 6 Monaten Zuchthaus verurteilt. Nach Verbüßung der Haftstrafe wurde er am 30. Juli 1938 in das Konzentrationslager Dachau eingewiesen, wo er die Häftlingsnummer 308 erhielt.

Von September 1939 bis Anfang März 1940 befand sich Friedrich Dürr im KZ Flossenbürg, anschließend wurde er wieder zurück nach Dachau „überstellt“.

In den letzten Apriltagen 1945, als die amerikanischen Truppen bereits kurz vor München standen, bildete sich in Dachau eine bewaffnete Widerstandsgruppe, bestehend aus entflohenen Häftlingen des Konzentrationslagers, Dachauer Bürgern und Angehörigen des Volkssturms. Ihr Ziel war es, die Stadt kampflos an die Amerikaner zu übergeben und eine vermutete Massenhinrichtung von Häftlingen im Zuge der Auflösung des Konzentrationslagers zu verhindern. Zu den 30 überwiegend kommunistischen Häftlingen, die am 25. April aus dem KZ fliehen konnten, gehörten Friedrich Dürr und sein Mannheimer Genosse und ehemaliger Spanienkämpfer Leo Heiß. Während am 28. April die eine Hälfte der Entflohenen versuchte, zu den US-Truppen vorzudringen und sie über die Situation im Lager zu informieren, stürmte die andere Hälfte, darunter Dürr, zusammen mit Volkssturmangehörigen und einigen Dachauer Bürgern das Rathaus und entwaffnete die anwesenden Gestapo-Mitglieder. Als die Waffen-SS mit schweren Waffen anrückte, um den Aufstand niederzuschlagen, kam es zum Schusswechsel und die Aufständischen versuchten, sich zurückzuziehen. Friedrich Dürr wurde im Kampf vor dem Dachauer Rathaus erschossen; ebenso wie der Dachau-Häftling Erich Hubmann. Um 11 Uhr war der Aufstand niedergeschlagen; vier weitere Aufständische wurden vor dem Rathaus hingerichtet und die Leichen zur Abschreckung bis zum Abend liegen gelassen.

Am nächsten Tag wurde Dachau von den Amerikanern befreit.

 


Fünf der sechs getöteten Widerstandskämpfer sind auf dem Dachauer Waldfriedhof beigesetzt, wo ein Mahnmal an den Dachauer Aufstand erinnert. Am 5. November 1946 wurden vom Dachauer Stadtrat sechs Straßen nach den Aufständischen umbenannt. Die Richthofenstraße wurde dabei in Friedrich-Dürr-Straße umbenannt. 1947 errichtete die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) in der Dachauer Altstadt eine Gedenktafel. In Mannheim trägt das seit 1973 bestehende Jugendzentrum in Selbstverwaltung seit 1975 den Namen Friedrich Dürr. Das JUZ hat die Patenschaft für den 2009 verlegten Stolperstein übernommen.

 

Text: Marco Brenneisen (MARCHIVUM), Oktober 2020

Adresse

Lange Rötterstr. 22 (Neckarstadt-Ost)
68167 Mannheim
Deutschland

Geolocation
49.497281651451, 8.4773313538132