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Fritz Stern

geboren am
Verfolgung

Jüdischer Kaufmann

1940 nach Gurs deportiert
Flucht aus Rivesaltes
Überlebt

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Friedrich „Fritz“ Stern wurde 1886 als fünftes von sechs Kindern des Schuhmachers und späteren Maklers Hayum „Hermann“ Stern (1838-1926) und dessen Ehefrau Wilhelmina „Mina“ geb. Mannheimer (1845-1928) in Mannheim geboren. Der Vater erwarb um 1890 das Haus L 2, 6, wo Fritz Stern aufwuchs und – mit Unterbrechungen – die nächsten rund 50 Jahre lebte.
Nach dem Schulabschluss absolvierte er eine kaufmännische Lehre; von 1905 bis 1907 hielt er sich in den USA auf, wohin einer seiner Brüder emigriert war. Nach dem Militärdienst (1908-1910) lebte Fritz Stern zunächst wieder im Mannheimer Elternhaus, meldete sich aber 1912 nach Elberfeld (heute Wuppertal) ab. Im Ersten Weltkrieg meldete er sich 1914 freiwillig zum Kriegseinsatz; erst 1920 kehrte er aus französischer Kriegsgefangenschaft nach Mannheim zurück.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten war Fritz Stern zunehmenden antisemitischen Repressionen ausgesetzt. Im Anschluss an die Novemberpogrome 1938 wurde er vier Wochen im KZ Dachau inhaftiert. Im Mai 1940 wurde er von der Stadt Mannheim aus dem von den verstorbenen Eltern geerbten Haus L 2, 6 verdrängt und musste in ein sogenanntes „Judenhaus“ in A 3, 6 umziehen.
Am 22. Oktober 1940 wurde Fritz Stern nach Gurs deportiert und im Juli 1942 in das Lager Rivesaltes „überstellt“. Dort heiratete er im selben Monat die 19-jährige Mannheimerin Lore Adler. Dem Ehepaar gelang am 4. August 1942, genau eine Woche bevor die Deportationen aus Rivesaltes (über Drancy) in die Vernichtungslager begannen, zusammen mit der Schwiegermutter Elisabeth Adler die Flucht aus dem Lager. Unter falscher Identität als Familie „Kern“ aus dem lothringischen Petite-Rosselle konnten sie in französischen Notunterkünften und Verstecken untertauchen. Im Februar 1943 kam die Tochter Berthe in Lyon zur Welt. Am 3. September 1944 erlebte die kleine Familie dort die Befreiung durch die Alliierten. Der Sohn Georges (1980-1992 Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in Mannheim) wurde Ende 1944 ebenfalls in Lyon geboren.

Im Dezember 1949 kehrten Fritz und Lore Stern mit den Kindern nach Mannheim zurück und lebten zunächst in R 7, 24, dem Gebäude des ehemaligen jüdischen Waisenhaus, wo 1946 die Jüdische Gemeinde Mannheim neugegründet worden war. Ab 1950 lebte die Familie in der Schwetzingerstadt. Im Jahr 1956 wurde die zehn Jahre zuvor nur nach jüdischem Ritual vollzogene Eheschließung standesamtlich vollzogen.
Fritz Stern starb am 19. Juli 1969 im Alter von 82 Jahren in Mannheim. Er wurde auf dem alten jüdischen Friedhof im Grab seiner Eltern beigesetzt.

 


Die Stolpersteine für Fritz und Lore Stern wurden 2015 verlegt. Die Jüdische Gemeinde Mannheim hatte die Verlegung initiiert und ihrem ehemaligen Vorsitzenden Georges Stern zum Gedenken an seine Eltern zum 70. Geburtstag geschenkt.

 

Text: Marco Brenneisen (MARCHIVUM), Oktober 2020
Adresse

A 3, 6 (Innenstadt)
68159 Mannheim
Deutschland

Geolocation
49.485904318584, 8.4613592000001