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Fritz Horst Erlanger

geboren am
Verfolgung

Jüdischer Kaufmann

Emigriert

Interniert in Frankreich

1944 in Auschwitz ermordet

 

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Fritz Horst Erlanger wurde am 15. April 1903 als zweiter Sohn des Fabrikanten Max Erlanger und dessen Ehefrau Lina (Katharine) geb. Kuhn in Mannheim geboren. Max, Lina, Lothar (1. Sohn, geboren 1899) und Fritz Erlanger lebten zunächst in B 6, 1, anschließend im Haus Luisenring 21 sowie später in D 7, 14. Im Jahr 1919 bezog die Familie ein großes, elegantes Haus in der Charlottenstraße 1 (heute Rathenaustraße).

Nach dem Abitur studierte Fritz Erlanger 1921/22 kurzzeitig in München Jura und hielt sich anschließend ein Jahr in England auf, kehrte jedoch 1923 wieder nach Mannheim zurück, wo er vermutlich eine kaufmännische Lehre abschloss und als Vertreter arbeitete. Anders als sein Bruder Lother ist Fritz offenbar nie in die Leitung der Firma seines Vaters und des Onkels, die Eisenwarenhandlung M. Marum GmbH, eingestiegen. Möglicherweise war er dort jedoch zeitweise als Vertreter tätig.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten war die jüdische Familie zunehmenden Repressalien ausgesetzt. Im November 1934 führte das „Hakenkreuzbanner“ (Parteizeitung der NSDAP für Mannheim und Baden) eine antisemitische Hetz- und Verleumdungskampagne gegen Fritz Erlanger, seine Familie und die Firma M. Marum GmbH. Im Laufe des Jahres emigrierte Fritz Erlanger zumindest vorübergehend die Schweiz; wann er nach Mannheim zurückkehrte, ist nicht bekannt. 1936 verlobte er sich mit Alice Leonie Siegel, die er 1939 nach jüdischem Ritus heiratete. Die Eheschließung wurde jedoch erst 1960 rückwirkend gesetzlich anerkannt.

Zu einem unbekannten Zeitpunkt floh Fritz Erlanger nach Frankreich. Dort wurde er im November 1941 von den deutschen Besatzern verhaftet und in das Lager Gurs verschleppt; im Juli 1942 war er im Lager Rivesaltes interniert. Am 27. März 1944 wurde Fritz Erlanger aus dem Durchgangslager Drancy nach Auschwitz deportiert und ermordet.

 

Die Stolpersteine für die Familie Erlanger wurden 2012 verlegt.

Text: Marco Brenneisen (MARCHIVUM), Oktober 2020

 

Literatur:
Christiane Fritsche: Ausgeplündert, zurückerstattet und entschädigt. Arisierung und Wiedergutmachung in Mannheim, Ubstadt-Weiher u.a. 2013. Darin: Exkurs 3: "Bis ins kleinste Schwarzwalddorf derart angeprangert": Die Pressekampagne gegen Fritz Erlanger und die M. Marum GmbH, S. 110-114.

Adresse

Rathenaustr. 1 (Oststadt)
68165 Mannheim
Deutschland

Geolocation
49.487557114567, 8.4794949951065