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Stadtgeschichte

Abbildung des Lagepland des Fruchthallen- und Freiwettermarktbereichs, um 1960
60 Jahre Großmarkt Mannheim

Der Großmarkt Mannheim feiert in diesem Jahr sein 60-jähriges Bestehen, am 14. November 1961 wurde er im Fahrlachgebiet feierlich eingeweiht. Der Großmarkt ist eine junge Einrichtung, erst 1931 wurde er vom Wochenmarkt getrennt und zog auf den Toulonplatz vor dem Zeughaus. Doch schon bald brachte der Zweite Weltkrieg das Marktgeschehen fast gänzlich zum Erliegen. Erst in der Nachkriegszeit wurde der Markt wiederbelebt.

 

Seit 1948 fand der Großmarkt am Neckarufer hinter der Hauptfeuerwache auf dem sogenannten Weißen Sand statt, der zwischen Kurpfalzbrücke und Friedrich-Ebert-Brücke lag. Es handelte sich um einen Freiwettermarkt, der über keinen Gleisanschluss verfügte und der unter unhygienischen Zuständen litt, die insbesondere durch den Sandboden hervorgerufen wurden. Die Allgemeine Zeitung schrieb im Jahr 1952 unter der Überschrift "Beim Großmarkt wäre manches zu ändern! Bei Hitze Staub, bei Regen Morast / Ja, wenn wir eine Markthalle hätten" über die Zustände des Großmarkts: "Der Platz wird wohl vor jedem Marktbeginn gespritzt, trotzdem ist nach kurzer Zeit alles in Staubwolken gehüllt. Regnet es, stehen Händler und Ware in Wasserpfützen. Obwohl die Marktordnung vorschreibt, dass lose Ware mindestens bis zu einem Meter über dem Boden feilgehalten werden muss. Das ist hier unmöglich, weil alle Voraussetzungen fehlen."

Freiwettermarkt auf dem "Weißen Sand", 1961

Im März 1959 gab der Gemeinderat grünes Licht zur Neukonzeption des Großmarkts und im darauffolgenden Jahr wurde die Großmarkt Mannheim GmbH gegründet. Die Planung und Durchführung des Baus im Fahrlachgebiet lag in den Händen von Stadtoberbaudirektor Wolfgang Borelly. Errichtet wurde ein Pavillonsystem. Dieses System umfasst mehrere Einzelhallen mit Verkaufsboxen sowie einige weitere Bauten für Marktverwaltung, Zoll, Bundesbahnabfertigung, Fahrzeug- und Gleiswaage, Marktmeistergebäude, etc. Im Jahr 1960 begannen die Bauarbeiten, und am 14. November 1961 konnte der Großmarkt eröffnet werden. Der neue Markt gliederte sich in drei Bereiche: den Fruchthallenbereich, den Freiwettermarkt und die Blumenmarkthalle. Das Pavillonsystem umfasste vier Fruchthallen, der Freiwettermarkt 120 Verkaufsplätze und die Blumenhalle bot 90 Verkaufsstände für Gartenbaubetriebe und Blumenhändler.

Oberbaudirektor Borelly übergibt OB Dr. Reschke den Großmarktschlüssel im Rahmen der Eröffnung der Großmarkthalle am 14. November 1961

In den folgenden Jahren wurden auf dem Großmarktgelände mehrere Bananenreifereien errichtet. Als im Jahr 1972 die erste Blumenhalle zu klein geworden war und die Blumengroßmarkt-Genossenschaft eine neue Halle bezog, wurde in der alten Halle die bereits fünfte Bananenreiferei eingerichtet. Während sich Bananen schon lange vor Gründung des Großmarkts einer großen Beliebtheit erfreuten, kamen einige andere Früchte erst später auf den Markt. So berichtete eine Tageszeitung des Jahres 1965 von den neu im Handel erhältlichen Früchten, wie Granatäpfeln, Kakifrüchten und Avocados. Und erst Anfang der 1970er Jahre folgte die chinesische Stachelbeere, die heute besser als Kiwi bekannt ist.

In den 1960er Jahren überwinterten vier Elefanten des Zirkus Sarrasani auf dem Gelände des Schlachthofs. Als sie ihre Rüssel über die Mauer zum Großmarkt streckten, kam dem damaligen Großmarktgeschäftsführer Heinz Moser eine Idee. Fortan durften die Elefanten als Putzkolonie über die geschotterten Gleise des Großmarkts laufen und diese von heruntergefallenen Orangen und anderen Leckereien befreien.

Vier Elefanten beim "Säubern" des Großmarkts.

Zu Beginn umfasste das Warensortiment des Großmarkts fast ausschließlich Obst, Gemüse, Südfrüchte, Pilze, Kartoffeln, Eier, Wild und Geflügel. In geringem Umfang wurden auch Süßwaren, Spirituosen, Kaffee und Tee verkauft. Auf dem Blumengroßmarkt wurden Schnitt- und Topfblumen, Gärtnerei- und Bindereibedarfsartikel angeboten. Im Laufe der Jahre entwickelte sich dieser Markt zu einem Markt mit der gesamten Lebensmittel- und Gemischtwarenhandelspalette.  Am 4. Oktober 1966 eröffnete der SELGROS-Abholgroßmarkt auf rund 4.000 qm Fläche. Zusammen mit dem Großmarkt und dem nahe gelegenen Schlacht- und Viehhof bot der Cash & Carry-Markt den Einzelhändlern, Gemischt- und Kolonialwarenhändlern, Gastronomen und Hotelbetreiber die Deckung ihres gesamten Warenbedarfs an einem Versorgungszentrum. 1977 wurde der FEGRO-Markt eröffnet und 1989 mit SELGROS vereinigt.

1989 erhielt die Abholerstraße eine 200 m lange und 32 m breite Überdachung. Zehn Jahre später wurde der Bau der Fruchthalle V und damit faktisch die Überdachung des Freiwettermarkts beschlossen. Schon im darauffolgenden Jahr konnte die neue Fruchthalle eingeweiht werden.

Blick in die Fruchthalle, 2011

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