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Stadtgeschichte

Eine Zeichnung der Kapuzinerkirche. Im Hintergrund links Dächer von Häusern, davor Laubbäume. Zwei Menschen laufen vor den Bäumen. In der Bildmitte die Kapuzinerkriche. Ein einfaches Haus mit kleinem Kirchturm. Ein Jesuskreuz befindet sich an der Hausecke ebenso wie auf dem Dach. Vor dem Haus ein Mönch mit brauner Robe. Rechts der Kirche wird die Landschaft weitläufiger. Ein weiterer Mönch läuft zur Kirche.äuft zur Kirche.
Die klösterliche Vergangenheit der Kapuzinerplanken

Ein besonders schöner Weihnachtsmarkt findet in Mannheim auf den Kapuzinerplanken in O 5 und O 6 statt. Und vielleicht fragen sich einige Besucherinnen und Besucher beim Genuss von Glühwein, Bratwurst oder Lebkuchen, wo denn der Name des Platzes denn herkommt. Die Lösung: Bis 1839 stand hier ein Kloster, das Anfang des 18. Jahrhunderts errichtet wurde.

Es war die Zeit des konfessionellen Wechsels. 1685 kam die katholische Pfalz-Neuburger Linie an die Regierung der Kurpfalz und machte sich sogleich an die Rekatholisierung des Landes. Dabei spielte der Kapuzinerorden eine wichtige Rolle. 1698 genehmigte Kurfürst Johann Wilhelm die Errichtung eines Klosters in Mannheim und wies den Mönchen ein Areal am Stadtrand um das heutige Quadrat N 5 zu. Hier entstand – noch vor der Kirche am Markt – das erste katholische Gotteshaus am Ort.


Kapuzinerkirche, kolorierte Zeichnung von Heinrich Andriano um ca. 1840. MARCHIVUM.

Die Haupttätigkeit der Kapuziner war die Armen- und Militärseelsorge. In Folge der Verlegung der Residenz nach Mannheim zogen zahlreiche Katholiken in die Stadt, so dass der Konvent auf 40 Priester und Brüder anwuchs. Damit waren die Kapuziner neben den Jesuiten der größte Orden in der Stadt. Für die Garnison wurde ab 1737 ein eigenes Gotteshaus in C 5 errichtet. Noch heute erinnern farbige Pflastersteine auf dem Toulonplatz an dieses 1780 zu Gunsten des Zeughauses abgerissene Gebäude.

Der Armenseelsorge kamen die Kapuziner als Bettelorden mit Predigten und geistlichen Handlungen nach. Der dabei erzielte große Zulauf von Bettlern und Bedürftigen rief freilich immer wieder die Obrigkeit auf den Plan, die um die öffentliche Ordnung besorgt war.


Kapuzinerkloster und Kapuzinerplatz, 1782. Stich der Gebrüder Klauber. Reiss-Engelhorn-Museen.

1773, nach dem Verbot des Jesuitenordens, übernahmen die Kapuziner Ämter als Hofprediger, -beichtväter und -seelsorger – eine besondere Anerkennung durch den Landesherrn und gleichsam ein Beleg ihres Einflusses.
Nach dem Wegzug des Hofes 1778 nach München wurde die Situation in Mannheim schwieriger. Das Ende des 18. Jahrhunderts erlebte das Kloster seinen Niedergang. Nicht nur, dass es in der zusehends kirchenkritischen Öffentlichkeit scharfer Kritik ausgesetzt war, mehr noch machte die Überalterung des Konvents zu schaffen, der binnen zwei Jahrzehnten die Hälfte seiner Mitglieder verlor.

In dieser Situation setzte Pfalzbayern unter dem neuen Kurfürsten Max Josef (1799-1825) ab 1799 neue Akzente in der Religionspolitik. Diese zielte unter anderem auf die Aufhebung der Klöster, was im Falle der Kapuziner in Mannheim aufgrund der zu erwartenden Pensionslasten jedoch unterblieb. Stattdessen suchte die Politik mit dem Verbot, Novizen aufzunehmen, auf ein stilles Ableben des Konvents hinzuwirken. Dies wurde nach 1803 im Wesentlichen auch von der neuen badischen Landesherrschaft übernommen.


Das Kapuzinerkloster samt Vorplatz am Stadtrand. Vogelschau von Josef Anton Baertels, 1758. MARCHIVUM.

Der Wegfall der Militärseelsorge 1804 sowie der Betreuung des Zucht- und Waisenhauses 1816 waren da nur folgerichtig. 1832 erfolgte der Grundsatzbeschluss zur Schließung des Klosters. Zu diesem Zeitpunkt lebte mit Carl Anton Wagner (1755-1840) noch ein einzelner Mönch im Kloster. Liegenschaften und Gebäude samt Kirche wurden in der Folge versteigert, die Gebäude 1839 trotz öffentlicher Proteste abgerissen. Ein Teil des Inventars befindet sich heute in der katholischen Kirche von Neckargerach.

 

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