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Archivschätze

Gästebuch der Familie Reiß
Gästebuch der Familie Reiß
"Bitte, schreib’ auch in dies Buch hinein. Das leuchtete anfangs mir gar nicht ein, Denn ich fühl’ mich nicht ‚fremd’; seit manchem Jahr zähl’ ich ein wenig zum Haus-Inventar". Mit diesen Worten kommentierte die Freiin von Loën im Jahre 1895 ihren Eintrag in das „Fremdenbuch“ der Geschwister Reiß. Eines der führenden Häuser der Mannheimer Gesellschaft bot laut einhelliger Meinung seiner Besucher den Gästen gleichermaßen liebenswürdige Aufnahme wie Kunstgenuss.

Die Familie war seit dem Zuzug des Kaufmanns Friedrich Reiß (1802-1881) aus der badischen Landeshauptstadt in Mannheim ansässig. Aus der Ehe des erfolgreichen Unternehmers und Politikers mit Wilhelmine Reinhardt, der Tochter eines renommierten einheimischen Geschäftsmanns und Bankiers, gingen drei Kinder hervor.

Wilhelm (1838-1908) profilierte sich als Naturforscher, etwa in Südamerika. Die 1836 geborene Anna (gest. 1915) suchte ihr Glück ebenfalls zunächst außerhalb Mannheims. Karrierestationen der u.a. in Paris ausgebildeten Konzert- und Opernsängerin waren Dresden, Schwerin, Leipzig und Weimar. Erst Anfang der siebziger Jahre kehrte sie in die Heimatstadt zurück und übernahm später die Haushaltsführung ihres verwitweten Bruders Carl (1843-1914).

Anna Reiß, um 1860

Dieser trat, nachdem ihm die angestrebte Offizierskarriere aus gesundheitlichen Gründen verwehrt blieb, in die Fußstapfen des Vaters. Er machte seinen wirtschaftlichen Einfluss in über 25 Aufsichtsräten diverser Unternehmen geltend (etwa bei der BASF und der Rheinischen Hypothekenbank). Als Gründungsmitglied des Nationalliberalen Vereins Mannheim und langjähriger Stadtverordneter bezog der 1901 zum Ehrenbürger seiner Heimatstadt ernannte Carl Reiß auch politisch Position. Seine Reichstagskandidatur 1903 scheiterte allerdings an dem Sozialdemokraten August Dreesbach. Im gleichen Jahr berief ihn der Großherzog in die Erste Badische Kammer.

Wie viele seiner ‚Standesgenossen’ engagierte sich der leidenschaftliche Jäger in verschiedenen Mannheimer Vereinen (z.B. dem Badischen Rennverein). Dauerhaftes privates Glück blieb ihm verwehrt: Seine Ehe mit der Tochter des Immobilienhändlers und Gründers der BASF, Friedrich Engelhorn, endete mit dem frühen Tod Berthas bereits 1878.

Carl Reiß an seinem Schreitisch, 1913

Das im Stadtarchiv Mannheim aufbewahrte, 94 Blatt umfassende und reich verzierte Gästebuch ist ein einzigartiges Zeugnis des gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Einflusses der Geschwister Reiß in Stadt, Land und Reich. Alberta von Freydorf, geb. von Cornberg (1846-1923), in Karlsruhe lebende Schriftstellerin und Witwe des badischen Ministers Rudolf von Freydorf (1819-1882), stiftete das Buch im Jahre 1884. Erst 1894 in Gebrauch genommen, reichen die Einträge bis zum Jubiläumsjahr 1907.

Zu dem erlesenen Besucherzirkel der Reiß-Villa in E 7, 20 gehörten so herausragende Vertreter des Mannheimer Bürgertums wie Heinrich (1838-1905) und Julia Lanz (1843-1926), Carl Ladenburg (1827-1909), Philipp Diffené (1833-1903) oder August Röchling (1856-1929). Anna - seit 1913 ebenfalls Ehrenbürgerin - und Carl Reiß schufen sich durch ihre Stiftungen eine bleibende Erinnerung in Mannheim. Die Stadt als Universalerbin erhielt die Fasaneninsel (Reiß-Insel), der zu Lebzeiten der Geschwister geplante, erst viel später realisierte Museumsbau (ehemaliges Zeughaus) trägt ihren Namen.

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